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Schauspielhaus Bochum

„Gespenster des Kapitals“ auf Geisterbahnfahrt

BOCHUM Eine Inszenierung von Hermann Schmidt-Rahmer ist meistens wild wie eine Achterbahnfahrt, schwarzhumorig wie "Monty Pythons Flying Circus" und lehrreich wie ein ganzes Schuljahr. Mit "Gespenster des Kapitals" am Schauspielhaus Bochum macht der Regisseur die Achterbahn zur Geisterbahn.

„Gespenster des Kapitals“ auf Geisterbahnfahrt

Am Ende der Inszenierung feiert das großartige Ensemble eine ausgelassene Schaumparty.

Über das Skelett eines Balzac-Dramas zieht er die dünne Haut des heutigen Finanz- und Wirtschaftssystems und erzählt von den Mechanismus der großen Krise - ohne eine Sekunde zu langweilen.

Alle Figuren des Stücks hat Schmidt-Rahmer einem der wenigen Dramen Honoré de Balzacs entnommen, das hierzulande als "Der Macher" bekannt ist. Es gelingt ihm sogar, seine Geschichte in Grundzügen zu erzählen: Der hoffnungslos verschuldete Mercadet will seine hässliche Tochter Julie an den vermeintlichen Millionär De la Brive verheiraten, obwohl sie einen armen Schreiberling liebt. De la Brive ist allerdings selbst ein Heuchler. Da hilft nur noch eins: Das Spiel noch dreister zu treiben.

Lustvolles Lehrstück

Sehr konsequent lässt Schmidt-Rahmer Balzac immer mehr aus den Augen und entwickelt ein lustvolles Lehrstück über die Funktion der Finanzmärkte und die Bedeutung von Schulden.

Oberster Lehrmeister ist Jürgen Hartmann als Mercadet, der den Abend mit Lektion 1 beginnt: "Wenn sie eine Flasche Wasser kaufen, bezahlen sie nicht das Wasser, sondern mindern nur die Schulden des Herstellers." Und dem Besucher, der gehofft hatte, um das schäbige Spiel der Zahlen herum zu kommen, ruft er gleich zu: "Ja, das geht jetzt den ganzen Abend so weiter!"

Letztlich fügt er sich gern. Weil der Regisseur seine Darsteller zum Äußersten treibt und geniale Einfälle hat: Da spielt zum Beispiel Nicola Mastroberadino drei Rollen im selben irrwitzigen Ton eines peniblen Schweizers. Und Raiko Küster tritt als personalisierter Markt auf, der bange zusammenzuckt, sobald ihm das Wort "Regulierung" entgegenschlägt.

Schaumparty

Am Ende feiert das großartige Ensemble eine ausgelassene Schaumparty: Zwei Schaumkanonen symbolisieren die Geldmassen, die die Staaten nach 2008 in ihr marodes Bankensystem gepumpt haben. Ein wunderbares Bild für Entgrenzung ist das, eine Fortspinnung von Scorseses exzessivem Finanzkino "Wolf of Wall Street" für die Theaterbühne.

Termine: 30.10., 9./30.11.; Karten: Tel. (0234)33 33 55 55.

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