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Glück auf: In Essen feiert eine Kohle-Oper Premiere

„Hans Heiling“ in der Aalto-Oper

.Die Museen in der Region würdigen das Ende des Steinkohlebergbaus 2018 mit großen Ausstellungen. Die Aalto-Oper Essen beteiligt sich an dem Erinnerungsmarathon. Mit einer Bergbau-Oper.

Essen

, 19.02.2018
Glück auf: In Essen feiert eine Kohle-Oper Premiere

Regisseur Andreas Baesler ist ein Kind des Ruhrgebiets. In der Aalto-Oper in Essen inszeniert er die Oper „Hans Heiling“ vom Romantiker Heinrich Marschner. In dieser Kohle-Oper wird auch in einer Waschkaue gefeiert.Foto: Gass

Der Romantiker Heinrich Marschner hat „Hans Heiling“ 1833 komponiert, Bezüge zu dem zwölf Jahre älteren „Freischütz“ von Carl Maria von Weber sind nicht zu überhören. Und Richard Wagner hat Marschners Oper wohl auch gefallen: Wagnerianer werden ab Samstag in Essen hören, wo er bei Marschner geklaut hat.


Kleidung und Requisiten von der Zeche Prosper Haniel


„Hans Heiling“ ist ein Werk aus der Zeit der Industrialisierung. Regisseur Andreas Baesler, ein Kind des Ruhrgebiets, macht die Geschichte über den Sohn der Erdgeisterkönigin zu einer Ruhrgebietsoper. – Mit viel Lokalkolorit.

Bühnenbildner Harald B. Thor, dem als Salzburger Bergwerke auch vertraut sind, stellt einen versenkbaren Bergbaustollen auf die Bühne, der effektvoll aus der Tiefe nach oben fährt. Die letzte Ruhrgebietszeche, Prosper Haniel in Bottrop, die im Dezember schließt, hat dem Theater Bergarbeiterkleidung und -Requisiten wie Presslufthämmer und Grubenlampen zur Verfügung gestellt.

Und das Fest der Heiligen Barbara, der Schutzheiligen der Bergleute, das bei Marschner das St. Floriansfest ist, wird zünftig in einer Waschkaue gefeiert. Eine Bergmannskapelle marschiert dazu auch auf die Bühne und spielt ein Lied, das nicht in der Partitur steht, aber jeder kennt.


Krupp in der Villa Hügel


Andreas Baesler sieht in der Handlung von Marschners Oper und der Arbeit im Kohlebergbau und Stahlwerk „spannende Parallelen“. Marschners Berggeister, die Wagners Nibelungen ähneln, sind die Bergarbeiter. Hans Heiling, der sich in eine Sterbliche verliebt hat, plant das Unterreich der Berggeister zu verlassen.

„Er sehnt sich danach, auszubrechen“, sagt der Regisseur, dem die Parallelen aufgefallen sind, als er die Biografie von Alfried Krupp gelesen hat. Der Hans Heiling des Regisseurs, der an der Folkwang-Universität in Essen studiert und am Schauspiel Dortmund hospitiert hat und von 2004 bis 2008 später Chefregisseur am Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen war, erinnert an den Industriebaron Krupp.


Der Essener Gruga-Park auf der Bühne


„Auch er wurde in den Zwang einer Familientradition hineingeboren und wollte ausbrechen aus der Villa-Hügel-Welt“, sagt Baseler: „Wir machen keine Krupp-Oper daraus, aber die Innenarchitektur der Villa Hügel werden die Zuschauer auf der Bühne schon wiedererkennen.“ Und statt durch einen dunklen Wald wird Anna dann eben durch den Essener Grugapark laufen. Die „Tiere des Waldes“ sind dort Tauben und Karnickel. Auch eine Arbeiterwohnung im Stil der 1950er-Jahre baut die Aalto-Oper detailverliebt auf die Bühne. Original-Film- und Tondokumente der Bergarbeiterzeit wird das Publikum auch erleben.

„Die Idee, diese Kohle-Oper im Ruhrgebiet auf die Bühne zu bringen, hatte ich schon lange. Sie 2018 zum Abschied des Bergbaus aufzuführen, hatte die Essener Theaterleitung. Und die Ruhrkohle AG hat uns wunderbar unterstützt. Es ist eine Gelegenheit, die Oper raus aus einem Glashaus zu holen“, sagt der Regisseur. Denn die Heimatvereine, Stahl- und Bergarbeiter dürften es spannend finden, ihr Leben und ihre Arbeit auf der Bühne zu sehen und ihren Enkeln zu zeigen. Und das Opernpublikum darf sich auf die Zauberoper eines tollen, leider zu selten gespielten Komponisten mit schöner, romantischer Musik freuen.


Heimat der Heimatlosen


Im Ruhrmuseum, in der Villa Hügel in Essen und im Deutschen Bergbau-Museum in Bochum haben Baesler und sein Bühnenbildner recherchiert. Im Essener Ensemblemitglied Hans-Günter Papirnik, der auch den Bauern Nicklas singt, hatten sie einen eingefleischten Ruhrgebietsbewohner und tollen Partner, der die Texte an die Ruhrgebietssprache angepasst hat – so, dass es passt, ohne aufgesetzt zu wirken.

„Am Ruhrgebiet hat mich immer fasziniert, dass es eine Heimat ist, die aus lauter Heimatlosen entstanden ist. Eine neue Welt mit neuen Kulturen“, sagt Baesler. So eine neue Welt erlebt auch Hans Heiling. Ab Samstag darf das Publikum an neun Terminen im Opernsessel einfahren in die Welt Untertage. Glückauf.

Termine in der Aalto-Oper Essen: 24./28.2., 3./9./22.3., 29.4., 12./27.5., 22.6.; Karten: Tel. (0201) 8122200.
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