Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Groß angekündigtes Bühnenbild entpuppt sich Eisenbahn-Schnickschnack

Promethiade

ESSEN. Was hatte die Stiftung Zollverein nicht großspurig zum Abschluss der "Promethiade" versprochen. Ein "spektakuläres Bühnenbild" des weltberühmten Künstlers Jannis Kounellis aus Tausenden Basaltsteinen sollte die Inszenierung der Aischylos-Tragödie "Der gefesselte Prometheus" durch dessen griechischen Landsmann Theodoros Terzopoulos überhöhen. Doch nach der Darbietung auf Zollverein blieb ein schales Gefühl der Enttäuschung.

von Von Bernd Aulich

, 06.08.2010
Groß angekündigtes Bühnenbild entpuppt sich Eisenbahn-Schnickschnack

Szene aus dem "Prometheus" in Essen.

Zur Premiere in Eleusis am Rande von Athen waren die Wackersteine tatsächlich zu sehen - dekorativ aufgereiht an Stahltrossen, ber ohne die elementare Kraft, die man von Kounellis erwartet. Zum Finale in Essen begnügte sich der Künstler damit, eine Dampflok, eine Diesellok und einen alten Gepäckwaggon aus dem Eisenbahnmuseum zum Gleisboulevard des Weltkulturerbes Zollverein zu beordern. Künstlerisch ein Offenbarungseid.

Das im Schnürlregen tapfer ausharrende Publikum wurde durch ein Körpertheater von archaischer Wucht belohnt. Es hätte ohne Kounellis' Eisenbahn-Schnickschnack in der Halle intensiver gewirkt als bei gefühlten zehn Grad unter nächtlichem Himmel. Die Inszenierung konzentriert sich auf den Konflikt der von Prometheus (imposant: Götz Argus) verkörperten gewaltlosen Macht des Wissenden gegen die blanke, blinde Gewalt des Zeus. Als Chor wälzen sich zuckend, zitternd und vibrierend zwölf griechische, türkische und deutsche Akteure auf einem Podium über den Gleisen. Trotzig skandieren sie: "Der Tag wird kommen." Der Tag der Befreiung. Überdeutlich signalisiert Takis Velliantitis' von MG-Salven begleitete hämmernde Soundkulisse die Hoffnung auf ein Ende der Gewalt.