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Große Klasse: „The Dark Knight“ mit Heath Ledger

Interessanter als der Filmheld ist oft sein diabolischer Gegenspieler. Und wenn der Darsteller des Schurken im wahren Leben einem Medikamentencocktail erliegt, dann greifen die Mechanismen der Post-mortem-PR, die einem Schauspieler nach dem Ableben die große Gloriole aufsetzt.

von Von Kai-Uwe Brinkmann

, 17.08.2008

Heath Ledger ist tot. Auf der Leinwand, in Christopher Nolans „The Dark Knight“, lebt er triumphal weiter, was den Rummel zweifellos anheizt. Der Film schickt sich an, der erfolgreichste aller Zeiten zu werden. 725 Mio. Dollar stehen bislang auf der Habenseite. Jenseits der Arithmetik ist „The Dark Knight“ aber auch künstlerisch eine Wucht, und Ledgers Darstellung des „Jokers“ darf ein Ereignis genannt werden. Nolans zweite Batman-Adaption (nach „Batman Begins“) schafft das Kunststück, dem totgerittenen Comicfilm und einer ausgelutschten Figur frischen Atem einzuhauchen. Erstaunlicherweise tankt die Story noch mehr Weltgehalt als „Batman Begins“: Und dann dies: Ein Genre, das gerne „pubertär“ geschimpft wird, mausert sich zur passablen Reflexion über Gut und Böse. Erstaunlich!

Im Lichte dieses Films gewinnen Figuren an Tiefe, die sonst sprechblasenblubbernde Chiffren sind. Held gegen Unhold, Christian Bales Batman gegen Ledgers Joker. So gut Bale (als smarter Milliardär und Inkognito-Kämpfer) seine Sache macht: Ledger stellt ihn in den Schatten. Sein Joker ist die Verkörperung des Chaos-Prinzips. Ein apokalyptischer Reiter der Anarchie. Geld ist ihm schnuppe, er verbrennt es palettenweise. Der Joker tritt an, die Verderbtheit der Spezies Mensch zu beweisen. Wenn die Guten böse werden, hat er gewonnen. Ein Terrorpunk unter geschminkter Gesichtsruine. Ledger züngelt wie ein Reptil, feixt, schmatzt, grinst sardonisch und ist ein Großmeister im Psycho-Schach. Eine beunruhigend eindringliche Vorstellung, die er hier liefert. „The Dark Knight“ verlässt tatsächlich den künstlichen Film-Kosmos früherer Streifen. Dieses Gotham, (Drehort: Chicago) ist keine Art déco-Gothic-Gruft (wie bei Tim Burton), keine poppige Spielwiese (wie bei Joel Schumacher), sondern sehr real und heutig. Ein Comic-Mythos infiltriert unsere Wirklichkeit.

Kommen wir zum Handwerk: Der Film ist exquisit fotografiert, teils mit Spezialkameras für IMAX-Kinos. Er hat fulminante Stunt- und Feuerwerk-Sequenzen. Hightech-Schnickschnack und ein Ausflug nach Hongkong lassen an James Bond denken. In weiteren Rollen glänzen Michael Caine (Batmans köstlich witziger Butler), Morgan Freeman, Gary Oldman und Aaron Eckhart, der vom Paulus zum Saulus wird. Wo andere Filme nach 90 Minuten den Plot durchbuchstabiert haben, startet Nolan erst richtig durch. – Große Klasse!

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