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Im Ruhrmuseum

Heinz Josef Kramer ist der Herr der Münzen

ESSEN Ohne seine Frau hätte Heinz Josef Kramer seine Liebe zur Münzkunde wohl nie entdeckt. Als er 1988 in den Ruhestand ging, lief er ruhelos zu Hause rum. Das ertrug seine Frau nicht lange. "Geh raus aus meiner Küche und such dir ein anständiges Hobby", sagte sie zu ihm. Kramer tat, wie ihm befohlen und wurde Numismatiker.

Heinz Josef Kramer ist der Herr der Münzen

In kleinen Tüten hat Heinz Josef Kramer Marken, Münzen, Medaillen und die anderen numismatischen Stücke einzeln verpackt. Sie lagern in Kartons sortiert in Tresoren im Depot.

Seit 25 Jahren betreut er ehrenamtlich die Münzsammlung im Essener Ruhrmuseum. Dafür bekam er vor Kurzem sogar den Landesverdienstorden überreicht. Natürlich fühle man sich durch so einen Orden geehrt, sagt der 86-Jährige. "Aber entscheidend ist nicht, dass man so ein Ding an der Brust hat, sondern das, was man dafür geleistet hat."

Suche nach einer sinnvollen Tätigkeit Bei Heinz Josef Kramer ist das eine ganze Menge. Nachdem seine Frau ihn "angeranzt" hatte, wie er es formuliert, ging der pensionierte Mathelehrer und stellvertretende Schulleiter auf Suche nach einer sinnvollen Tätigkeit. Dabei ging er systematisch vor. "Es sollte etwas im kulturellen Bereich sein und etwas, das mich für den Rest meines Lebens beschäftigen würde. Mit Dias sortieren ist man ja irgendwann fertig."

Neue Materie erarbeitet

Das wollte er vermeiden. Als dem "leidenschaftlichen Essener" dann auffiel, dass die Domschatzkammer des Stiftes Essen zwar jede Menge sakrale Gegenstände zeigte, aber keine Münzen, die die Äbtissinnen des Stiftes prägen lassen durften, hatte er ein Ziel: Er wollte für die Kammer eine Münz- und Medaillensammlung aufbauen. "Ich hatte zwar keine Ahnung und das Wort Numismatik kaum gehört", erinnert er sich. "Aber auch im Alter kann man noch lernen. Man darf nur keine Angst haben, sich mit einer neuen Materie zu beschäftigen."

Recherche im Stadtarchiv

Er begann in der Bibliothek und im Stadtarchiv zu recherchieren, bestellte Kataloge, rief Fachleute an, "um auch mal ganz dumme Fragen zu stellen" und er fuhr ins Ruhrlandmuseum, das heutige Ruhrmuseum, um einen Blick auf die numismatische Sammlung dort zu werfen. Der Zustand der Sammlung schockierte ihn. "Sie war chaotisch. 20 Jahre lang war dafür keiner zuständig gewesen."

Das konnte so nicht weitergehen. Nachdem Kramer die Essener Münzen für die Domschatzkammer so gut wie zusammengetragen hatte, nahm er sich der Sammlung an.Kataloge und Hintergründe Er sortierte, katalogisierte und suchte nach den Hintergründen jeder Münze, Medaille, Marke und Plakette, jedes Ordens und jeder Banknote. "Denn nur mit den Hintergrundinfos machen die Gegenstände ja Sinn. Der Wert offenbart sich sonst nur dem Fachmann."

Bei der Bestandsbearbeitung ließ er es nicht bewenden. Kramer sichtet seitdem Kataloge, treibt Sponsorengelder ein, fährt zu Auktionen und hat den Sammlung bis heute von knapp 7000 auf 28 426 Stücke erweitert, die, wenn sie nicht Teil einer Ausstellung sind, im Depot des Ruhrmuseums lagern.

Scheine aus 203 Ländern

Nebenher bietet der Numismatiker Sprechstunden für private Münzsammler an, erstellt ihnen Expertisen. Auch diese Arbeit macht er kostenlos. Ein Sammler hat zum Dank mal ein Gedicht auf ihn geschrieben, und vor Kurzem bekam er eine ganze Sammlung geschenkt. "Geldscheine aus 203 Ländern waren dabei", sagt Kramer immer noch begeistert.

Diese Begeisterung für sein Hobby ist es, die ihn antreibt. Und die Herausforderung, die viele Stücke auch für den erfahrenen Numismatiker noch bedeuten.Vergleichsstücke "Medaillen aus dem arabischen Raum oder Münzen aus Russland kann ich nicht lesen. Da suche ich Vergleichsstücke, um mich ihnen zu nähern. Das kann tagelang dauern", sagt Kramer.

Aber das macht ihm nichts aus. "Wenn ich nur Däumchen drehen oder vor der Glotze sitzen würde, dann wäre ich, glaube ich, schon tot."

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