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Heribert Germeshausen will Dortmund zum Epizentrum der Musik machen

Neuer Opernintendant

Der neue Chef hat den Turbo eingelegt. Heribert Germeshausen, Dortmunder Opernintendant ab Herbst 2018, stellte sich am Freitag der Presse vor. Der 46-Jährige sprach dabei in Windeseile, wirkte absolut brillant und sehr sympathisch. Das Dortmunder Haus unterm grünen Schildkrötendach will er zur "Ruhroper 21" weiterentwickeln.

DORTMUND

, 08.04.2017
Heribert Germeshausen will Dortmund zum Epizentrum der Musik machen

Vor dem Schildkrötendach der Dortmunder Oper: der künftige Intendant Heribert Germeshausen. Im Herbst 2018 eröffnet er seine erste Saison.

Am Donnerstagabend hatte der Rat der Stadt Dortmund dem Engagement des bisherigen Heidelberger Operndirektors zugestimmt. Germeshausen wird das Dortmunder Opernhaus von 2018/19 bis 2023/24 - also sechs Spielzeiten lang - führen. Das größte Problem gab zu Anfang des Pressegesprächs Dortmunds Kulturdezernent Jörg Stüdemann vor: "Das Musiktheater altert stärker."

Dem stellt Germeshausen seine junge  Idee einer "Ruhroper 21" gegenüber. Er will das Haus stark und tief mit der Stadtgesellschaft verknüpfen. Dazu plant er ein bis zwei zusätzliche Dramaturgenstellen. Die neuen Mitarbeiter werden Partner suchen, so dass sich neue gesellschaftliche Gruppen an die Oper andocken können. "Partizipation" (Teilnahme) heißt das Zauberwort. Germeshausen: "Jede Spielzeit wird mit einem Event beginnen, das in die Stadt hineingeht." Gerade Teenager würde heute Musik nur in Zusammenhang mit bewegten Bildern kennen. Germeshausen: "Sie wissen nur nicht, dass die Oper genau das bietet."

Fasziniert vom Wandel

Der Strukturwandel im Ruhrgebiet fasziniert ihn. "Ich interessiere mich nur für Städte, für die ich eine Vision entfalten kann", sagt der Opernfachmann. In Heidelberg hat er seit 2011 diverse Auszeichnungen und eine Verdreifachung der Abo-Zahlen erreicht sowie das Barockfestival "Winter in Schwetzingen" zum Erfolg geführt. Ästhetisch will er nun Dortmund ins "musiktheatralische Epizentrum des Ruhrgebietes" verwandeln - wie gewohnt mit acht Premieren pro Saison inklusive einem Musical und einer Operette. An die große Wagner-Tradition des Hauses will er anknüpfen, die Entwicklung der Kinderoper begleiten. Oper müsse "großes, sinnliches Musiktheater" bieten.

Germeshausen hat Jura und (sogar in den USA) Betriebswirtschaft studiert, er ist alleinstehend. Im Januar 2018 will er nach Dortmund umziehen und hofft auf eine Wohnung nahe dem Theater. Der passionierte Zugfahrer ist allerdings Dramaturg, er führt keine Regie. Wahrscheinlich wird er auch auf einen Hausregisseur verzichten, um flexibel zu bleiben: "Es wird eine Reihe von Regisseuren geben, die den Spielplan prägen." Star-Regisseur Stefan Herheim, mit dem er befreundet ist, sei allerdings zu teuer für Dortmund.

Gespräche mit Künstlern sind geplant

Und die Sänger? Noch in diese Spielzeit wird er mit den Künstlern über Verlängerung oder das Ende ihrer Verträge sprechen müssen. Seit zwei Monaten hat er sich daher viele Produktionen angesehen. Er geht davon aus, dass einige Künstler dem jetzigen Intendanten Jens-Daniel Herzog ans Staatstheater Nürnberg folgen werden. "Sie werden auf der Bühne vertraute Gesichter wiederfinden, aber auch neue kennenlernen", meinte Germeshausen diplomatisch.

Menschlich sehr sympathisch ist auch, was er auf die Frage nach einem Opernstudio für den Nachwuchs zu sagen hat. "Das darf keine Möglichkeit sein, junge Sänger auszubeuten", warnt er. Oft würden Opernstudios benutzt, um den Mindestlohn zu unterlaufen. Ob er ein Opernstudio - dann aber in vernünftiger Form - einrichten will, weiß er noch nicht.

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