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Buchtipp der Redaktion

Hermann Beckfeld über den Gott aus Lehm

DORTMUND Passend zur Frankfurter Buchmesse - auf der auch in diesem Jahr wieder unzählige Lesebegeisterte erwartet werden - haben sich unsere Redakteure ihre Lieblingsbücher vorgenommen, um sie Ihnen vorzustellen. Chefredakteur Hermann Beckfeld legt Ihnen "Janosch: Cholonek oder Der Gott aus Lehm" ans Herz.

Hermann Beckfeld über den Gott aus Lehm

Die Buchtipps aus unserer Redaktion.

„Alles ist Mist. Aber dann möchte man sich manchmal auf die Erde setzen und sich vor Freude ins Hemd weinen“, sagt Schwientek am Anfang des Buches und lässt danach lieber Frau Schwientek reden. Sie kann uns in „Cholonek oder Der liebe Gott aus Lehm“ sowieso besser die Welt erklären, die im Dorf Poremba an der deutsch-polnischen Grenze von 1933 bis 1945 nicht einfach ist. Autor Janosch, dem wir die Tigerente und den kleinen Bären verdanken, legt ihr in seinem ersten Roman von 1970 kluge Worte, einfache, manchmal skurrile Weisheiten in den Mund: „Von nichts kommt nichts“ oder „Am besten, der Mann ist sieben Jahre älter als die Frau. Da hat er schon mehr Ahnung von allem“.

Ihren Sohn Stanik kann sie damit nicht meinen. Während seine Frau Cholonek zur Welt bringt, macht der erfolglose Großkotz, was er am besten kann. Sprüche klopfen und Einfachbier saufen bei Kapitza in der Kneipe. Später zieht er die SA-Stiefel an und?nennt seinen Sohn Adolf. Trinkgelage, Hochzeiten mit Schweineschlachten, Neid auf Nachbarn, die Hoffnung auf ein kleines Glück: Cholonek, vielleicht eher aber doch Janosch, selbst Kind einfacher Leute mit einem Alkoholiker als Vater, erzählt von einer versunkenen Welt, bereit für jede Lächerlichkeit und Eitelkeit; mal derb, mal liebevoll, warmherzig, zum Weinen schön. Wir schmunzeln über die sympathischen Schwächen, über die Schlitzohrigkeit, über die Sprache des Volkes - und die Kirche kriegt ihr Fett ab. Fazit: Mehr geht nicht auf 285 Seiten.

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