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„Isle of Dogs“ im Kino

Hunde, wollt Ihr ewig leben?

Mit „Isle Of Dogs“ gelingt Wes Anderson ein Meisterstück des Animationsfilms, eine hintergründige Parabel über einen totalitären Staat, Ausgrenzung und „Fake News“ – mit sprechenden Wauwaus.

Hunde, wollt Ihr ewig leben?

Der Hundefreund Atari und seine vierbeinigen Gefährten fahren mit der Seilbahn ins Ungewisse. Foto: 20th Century Fox

Von wegen „bester Freund des Menschen“: In einem Japan der nahen Zukunft stehen Hunde auf der Abschussliste. Als Träger einer Seuche, die auf ihre Halter überspringen könnte, werden sie gefangen und in ein Lager gesteckt, um per Seilbahn auf eine Müllinsel vor der Küste deportiert zu werden. Die Propaganda gegen die Kläffer läuft auf allen Kanälen, Megasakis Bürgermeister Kobayashi verspricht im Falle seiner Wiederwahl die Ausrottung der Hundeplage.

Keine Science-Fiction, sondern eine Parabel

Das Szenario von Wes Andersons „Isle of Dogs - Ataris Reise“ kommt wie Science Fiction daher, verhandelt aber Themen, die aktueller sind denn je. Im Gewand der tierfreundlichen Parabel steckt auch eine Abrechnung mit Politikern, die mittels manipulierter „Fake News“ Feindbilder in die Welt setzen und eine Hasskampagne lostreten, um das Wahlvolk hinter sich zu bringen. Ein Gruß an die Trumps und Erdogans, wenn man so will.

Hunde, wollt Ihr ewig leben?

Die amerikanische Austauschschülerin Tracy hilft Atari bei der Rettung der Vierbeiner. Foto: 20th Century Fox

Der „Weltgehalt“ der Geschichte ist groß, gleichzeitig besticht „Isle Of Dogs“ als poetisches Märchen und Fantasy-Fabel mit sprechenden, vernunftbegabten Hunden. Wes Anderson gilt zu Recht als Märchenonkel für Erwachsene, seine Filme („Moonrise Kingdom“, „Grand Hotel Budapest“) haben eine kindlich verspielte Seele, transportieren aber mehr als den klebrigen Süßstoff, in dem Disney meist stecken bleibt. Bei Disney gäbe es keine Sequenz, wo das Hackmesser auf eine zuckende Krabbe und einen luftschnappenden Fisch niedersaust: Hack-hack, zackzack – fertig ist der Sushi-Teller! Anderson und seine drei Co-Autoren verteilen hier satte Tritte gegen die japanische Esskultur. Wie man hört, kommt das in Nippon nicht gut an, aber der Vorwurf des latenten Rassismus ist dann doch übertrieben.

Folklore-Klischees gibt es gleichwohl: der Bürgermeister (der auf Plakaten wie Orwells Big Brother aussieht) ist tätowiert wie ein Yakuza-Gangster, wir sehen Sumo-Ringer und japanische Zeremonial-Trommeln. Na, und?

Beseelte Charaktertiere blicken in die Kamera

Handwerklich überzeugt der Film auf ganzer Linie. Nach „Der fantastische Mr. Fox“ (2009) ist „Isle Of Dogs“ Andersons zweiter Puppenfilm in Stop Motion-Technik, also Bild für Bild animiert. Toll, was die Modellbauer leisteten. Man achte auf die Wattebäusche beim Kampf mit den Robo-Dogs! Die Hunde sind beseelte Charaktertiere, die mit Unschulds-Augen in die Kamera gucken, knuffig, drollig, mit köstlich trockenem Humor ausgestattet. Sie leben auf einem liebevoll gestalteten Eiland voller Müll und Industrie-Ruinen, das man als Endzeit-Metapher und Hunde-KZ sehen kann.

Dort landet der zwölfjährige Atari, der auf der Insel seinen Hund Spots sucht. Ein Rudel aus fünf Hundefreunden steht ihm bei. Witzig, spannend, hintersinnig und ideenreich: ein Meisterstück.

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