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Im Garten der Gebeine blüht die Hoffnung

Museum Kloster Bentlage

Ostern ist das Fest der Auferstehung. Unzählige Gemälde verherrlichen dieses biblische Geschehen. Aber es gibt wohl keinen Kunstschatz in Westfalen, der das Leben nach dem Tod so glanzvoll feiert wie die Reliquiengärten des Klosters Bentlage in Rheine. Der moderne Mensch mag sie bizarr finden, aber sie drücken tiefen Glauben und große Hoffnung aus.

25.03.2016
Im Garten der Gebeine blüht die Hoffnung

Der „Schädelkasten“ stammt aus dem Jahr 1499.

Wer das münsterländische Museum Kloster Bentlage besucht, steht schon bald vor dem größten Schatz des Hauses. Im mystischen Halbdunkel glitzern und funkeln die beiden Reliquiengärten um die Wette. Der "Schädelkasten" stammt aus dem Jahr 1499. Gleich daneben steht der um 1520 entstandene "Figurenkasten", der etwas weniger prächtig geraten ist.

Menschliche Knochen

Geradezu geblendet wird der Betrachter von der goldglänzenden Folie, von Halbedelsteinen und Flussperlen aus der Ems, von Seidenblumen und Korallen. Erst einen Moment später erkennt man, dass die größten Blumen dieses Gartens menschliche Knochen sind. Im Schädelkasten sind es 48 Reliquien, also Überreste von Heiligen, im Figurenkasten sogar 132.

"Es gibt Menschen, die schrecken davor zurück", sagt Mechthild Beilmann-Schöner, die das Museum seit 1993 leitet. Andere Gäste haben ihr schon berichtet, dass sie stundenlang vor den Gärten gesessen und über Leben und Tod nachgegrübelt haben. Beilmann-Schöner: "Und Kinder fragen uns immer ein Loch in den Bauch."

Triumph über den Tod

Dann erklärt sie immer, dass die frommen Zisterzienserinnen aus einem Kloster im niedersächsischen Bersenbrück hier keine Darstellung vom Sterben Christi geschaffen haben, sondern seinen Triumph über den Tod zeigen. Das Kreuz steht nämlich nicht auf dem üblichen kahlen Kalvarienberg, sondern auf grüner Wiese mit Blumen - ein Bild des Paradieses, und die Heiligen sind die Blumen darin. "Eure Gebeine werden wie Pflanzen sprossen" (Jesaja 66, 14) heißt es in der Bibel, in der die Pflanzenmetaphorik nur so wuchert.

Der Baum der Erkenntnis zum Beispiel, von dessen verbotenen Früchten Adam und Eva kosten, steht für die Erbsünde - und die überwindet Christus durch seinen Tod. Die Kreuzherren, die im Kloster Bentlage ein entbehrungsreiches Leben führten, fanden deshalb Trost und Hoffnung im Gebet vor den Reliquienschreinen.

Zwei Jahre lang restauriert

Später zerfielen die Kunstwerke, bis fünf Restauratoren des Westfälischen Museumsamtes ihnen in zweijähriger Arbeit wieder zu altem Glanz verhelfen konnten. Auch das war eine Art Auferstehung. Heute sind die beiden Reliquiengärten die letzten ihrer Art.

 

Museum Kloster Bentlage in Rheine, Di-Sa 14-18, So 10-18 Uhr. In dem Naherholungsgebiet rund um das Kloster gibt es noch den Salinenpark, den Natur-Zoo und Gastronomie.