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In Millionen von "Köln-Flocken" mischt sich etwas Zuversicht

Kölner Stadtarchiv

Asyl für Akten - Teile des geborgenen Bestands aus dem eingestürzten Kölner Stadtarchiv werden zurzeit in Bochum bearbeitet. Insgesamt 19 Archive in Deutschland haben Papier-Reste aufgenommen. Doch der Berg an Arbeit ist noch riesig.

BOCHUM

von Von Felix Guth und Maren Volkmann

, 12.08.2010
In Millionen von "Köln-Flocken" mischt sich etwas Zuversicht

"Köln-Flocken" nennen die Archivare die vielen Papier-Schnipsel, die durch den Einsturz des Kölner Stadtarchivs entstanden. Mit Hilfe von Computertechnik sollen sie wieder lesbar gemacht werden.

In riesigen Metallschränken und schmucklosen Kartons lagert ein Teil der Kultur-Katastrophe. Im ehemaligen Stadtarchiv Bochum haben 831 Meter Akten aus dem im März 2009 eingestürzten Historischen Archiv Köln "Asyl" gefunden.Bochum half sofort „Wir hatten gerade unser Gebäude an der Kronenstraße aufgegeben, waren an die Wittener Straße gezogen“, erinnert sich Ingrid Wölk, Leiterin des Bochumer Stadtarchivs. „Da die alten Räume noch nicht anders genutzt wurden, konnten wir sie zur Verfügung stellen“. So wurde Bochum eins von 19 Asyl-Archiven. Voraussichtlich bis Januar 2011 wird die Arbeit im Asyl-Archiv Bochum noch andauert, im Schnitt werden 100 Meter pro Monat abgedeckt. Der Kölner Einsturz produzierte irrsinnige Zahlen: 6300 Jahre Arbeit für einen Restaurator, drei Kilometer vergrabenes Archivmaterial, fünf Millionen verteilte Schnipsel, Kosten von 400 Millionen Euro und mehr. Normale Menschen wüssten nicht, wo sie anfangen sollten. Doch die Kölner Archivare haben ein Konzept. Vor 18 Monaten war im Gesicht von Bettina Schmidt-Czaia vor allem Bestürzung zu sehen. Dies ist bei der Leiterin des Historischen Archivs der Stadt Köln längst dem Kämpfergeist gewichen. "Es geht gut vorwärts", sagt sie bei einem Besuch im 18 weitere Archive in Deutschland, etwa an der Uni Münster, helfen derzeit beim Reinigen und Erfassen des verschütteten Kölner Stadtgedächtnisses. Es ist der erste Schritt auf dem langen Weg zur Restaurierung.Millionen von Schnipseln "Wenn wir in ungefähr 50 Jahren alles wieder hergestellt haben wollen, müssten 200 Restauratoren täglich gleichzeitig arbeiten", meint Bettina Schmidt-Czaia. Noch immer liegen etwa fünf Prozent der Archivarien "im Loch". Doch sie nennt auch diese Zahl: Nur fünf Prozent des Bestandes sind komplett verloren. Das macht ihr Hoffnung, selbst beim Blick auf die "Köln-Flocken". Bis zu fünf Millionen dieser Bruchstücke aus alten Dokumenten sind in den Asyl-Archiven verteilt. Die einzige Hoffnung ist die "Stasi-Schnipselmaschine". Dieses Computerprogramm entwickelte das Fraunhofer-Institut in den 90er Jahren, um geschredderte DDR-Akten wieder lesbar zu machen. Um Dokumente aus mehreren Jahrhunderten wiederherzustellen, müsste es allerdings für rund drei Millionen Euro weiterentwickelt werden. An der Kölner Ruine startet im Oktober eine dritte Phase der Bergung. Ist diese abgeschlossen, erhofft sich auch die Staatsanwaltschaft einen neuen Blick auf die baulichen Ursachen des Einsturzes.