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In der Stille liegt die Kraft der Künstlerin Agnes Martin

Kunstsammlung NRW in Düsseldorf

Ein faszinierendes Werk breitet die NRW-Kunstsammlung in beiden Etagen ihres Neubaues am Düsseldorfer Grabbeplatz aus. Es ist die erste große Retrospektive seit dem Tod der 2004 mit 92 Jahren verstorbenen amerikanischen Malerin Agnes Martin.

DÜSSELDORF

, 06.11.2015
In der Stille liegt die Kraft der Künstlerin Agnes Martin

Das Werk „Untitled“ (Ohne Titel) entstand 2002 – zwei Jahre vor dem Tod der Künstlerin. Foto dpa

Sechs Jahrzehnte der Suche nach schlackenloser innerer Schönheit spiegeln sich in den überwiegend großformatigen 70 Gemälden und weiteren 60 Zeichnungen und Grafiken sowie einer winzigen Auswahl von Skulpturen. Im Umkreis zweier dominierender Strömungen der amerikanischen Kunst, des Abstrakten Expressionismus und der Minimal Art, schuf Agnes Martin eine Malerei, die sie treffend mit Musik verglich.

Subtile Nuancen gemalt

Es ist eine Malerei der sanften Rhythmen und der flüchtigen, entschwindenden Farbtöne. So entstanden auf der Höhe ihres Schaffens ab den Siebzigern Streifenbilder und einander überlappende Strukturen mit vibrierenden Flächen, subtilen Schwingungen, zarten Stimmungen und einem innerem Leuchten, als hätte es die Künstlerin darauf angelegt, Nuancen des Lichtes einzufangen.

Alles Laute ist den Bildern fremd

Alles Laute, alles Aufgeregte, gar Dramatische ist diesen Bildern fremd. Zwei Jahrzehnte lang arbeitete sie daran, die amorphen Formen, die rätselhaften Zeichen und versponnenen Linien der frühen Bilder aufzulösen in schieres Leuchten. Nicht von ungefähr bevorzugte Agnes Martin das in sich ruhende Quadrat. Viele Bilder der Sechziger sind durch Töne und Strukturen der Natur inspiriert. Und manche Arbeit mit textil anmutenden Strukturen weisen sie als Vorläuferin der heutigen Starkünstlerin Rosemarie Trockel aus.

Zu den Höhepunkten zählen die 1967 entstandenen grauen Bilder und die zwölfteilige Serie "Die Inseln" von 1979, deren aufs Feinste abgestuften weißen Streifen miteinander korrespondieren. Man muss schon genau hinschauen, um ihre nahezu unsichtbaren Farben zu entdecken.

Trockel hat gespendet

In diesen milden Farben prangt auch das Gemälde "Ohne Titel # 5" von 1998. Namhafte Künstler wie Rosemarie Trockel spendeten für seine Anschaffung 2011 eigene Werke. Mit ihm konnte Museumsdirektorin Marion Ackermann eine Lücke im Amerikaner-Saal füllen.

Diese Sammlungslücke gab den Anstoß zur Düsseldorfer Retrospektive, die zuvor in der Tate Modern in London zu sehen war und 2016 ins New Yorker Guggenheim Museum weiterwandert.

Kunstsammlung NRW (K20) Düsseldorf: "Agnes Martin", Grabbeplatz 5,  bis 6.3.2016, Di-Fr 10-18 Uhr, Sa/So 11-18 Uhr, Katalog 38 Euro.