Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige
Anzeige

Schauspiel Dortmund

Jelineks Requiem für die NSU-Opfer

DORTMUND Zschäpe, NSU, zehn Morde. Und der deutsche Michel, der in Gestalt von Staatsschützern eine Schlafmützigkeit an den Tag legt, die unbegreiflich ist. Elfriede Jelinek hat ihrer Wut Luft gemacht, mit dem Wortgewitter "Das schweigende Mädchen".

Jelineks Requiem für die NSU-Opfer

Merle Wasmuth im Jelinek-Stück „Das schweigende Mädchen.“

Typisch Jelinek. Eine assoziative Textlawine, die einen Themenkomplex umspült, in Winkel und Brüche einsickert und das "Gebäude" durchdringen will. Im Dortmund-Hörder Megastore hat Michael Simon "Das schweigende Mädchen" in gekürzter Form inszeniert, dort stieg am Freitag die erste Premiere am neuen Standort des Dortmunder Schauspiels.

Begehbarer Parcours

Die Halle ist riesig, Simon macht einen begehbaren Parcours aus ihr. Im Schein von Taschenlampen sprechen Engel von Podest und Containern: "Ich bin der Engel des Todes, ich soll die Toten wegschaffen. Wir haben die Leute nicht gekannt, nichts erkannt. Ich will Tote sprechen lassen, es geht, wenn ein Gericht das beantragt."

Von einer Jungfrau, die mit zwei Männern vertraut sei, ist die Rede. Von Kugeln aus einer Ceska-Pistole. "Licht, Licht!", rufen die Engel.

Bei Saalbeleuchtung sieht man, dass auf einer Wand die Tatorte stehen, dort die Namen der NSU-Opfer, drüben das Grundgesetz: "Die Würde des Menschen ist unantastbar."

Uwe Schmieder als Richter

"Würde" prangt auf einem gewaltigen Raumteiler, hinter dem wir auf der Tribüne den Prozess beobachten. Uwe Schmieder gibt den Richter in einem satirisch grellen Maskenspiel. Die Quelle (V-Mann) bleibt trüb, alles sauber, keine Verbindungen.

Jelinek montiert Justizprotokolle, Nachrichten, Biblisches. Zschäpe als "Jungfrau, die zwei Schöpfer des Todes schöpft"? Ein krauses Privat-Evangelium, mit dem Jelinek das NSU-Trio provokant überhöht, warum, versteht man nicht.

So empörend die Fakten sind, die Jelinek 2013 recherchierte: Man kennt sie bereits. Als Requiem für die Opfer hat das Stück Gewicht. Als Spiegel deutschen Dünkels und deutscher Dummheit rennt es eher offene Türen ein.

Michael Simon greift zu den Mitteln der Groteske, manchmal über-plakativ. Aus der Weite der Halle macht er allerdings das Beste. Der Beifall galt vermutlich Regisseur, Darstellern und dem Sprechchor (als Stimme der Toten), nicht so sehr dem Stück.

Termine: 17. 12., 16. 1.; Karten: Tel. (0231) 5 02 72 22.

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Theater Dortmund

„Aida“ eröffnet neue Opern-Ära in Dortmund

Dortmund Die Saison 2018/19 in der Oper Dortmund bietet viel Populäres. Es ist die erste Spielzeit des neuen Intendanten Heribert Germeshausen, der aber schon genaue Pläne für die folgenden fünf Jahre seiner Intendanz hat. So bringt er Wagners „Ring des Nibelungen“ heraus. Und den inszeniert ab 2020 ein Star.mehr...

Red Dot Award

Kreative Projekte aus NRW erhalten Auszeichnungen

Dortmund 749 Projekte aus 50 Nationen sind in diesem Jahr mit dem Red Dot Communication Award ausgezeichnet worden. Aus Nordrhein-Westfalen sind es zum Jubiläum des Preises, der seit 25 Jahren vergeben wird, allein 74. Darunter auch welche aus Dortmund.mehr...

Wanne-Eickel

Mondpalast: „Der zerdepperte Pott“ – frei nach Kleist

Wanne-Eickel Das ist mal ein dicker Hund! Die Tür zum Vereinslokal wurde eingetreten, schlimmer noch: Der einzige Pokal, den der FC Hinter-Marl je errang, liegt in Trümmern. Der Täter floh durchs Fenster. Vereinspräsident Otto Adam (Martin Zaik) muss ihn finden, hat aber eigentlich ganz andere Sorgen.mehr...

Konzerthaus Dortmund

Mit Tschaikowsky kam der Elan

Ein Programm, das nur aus den Top-100-Hits der Klassik besteht, trauen sich nicht viele Orchester zu präsentieren. Das Budapest Festival Orchestra tat es am Sonntagnachmittag im Konzerthaus Dortmund unter der Leitung von Iván Fischer.mehr...