Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Keine Hilfe von Obama

"Butterfly" in Essen

ESSEN. Der Skandal blieb aus. Die Inszenierung von Giacomo Puccinis "Madama Butterfly", die am Aalto-Theater Essen nicht am Karfreitag herauskommen durfte und dort darum einen Tag früher Premiere hatte, gibt sich zwar konsequent heutig. Aber Regie-Enfant-terrible Tilman Knabe hat aus der japanischen Tragödie nicht etwa eine "Fukushima-Oper" gemacht.

von Von Klaus Stübler

, 22.04.2011
Keine Hilfe von Obama

Das Wohncontainer-"Idyll" mit blonder Butterfly (Annemarie Kremer).

Für seine junge Butterfly und ihren amerikanischen Playboy-Gatten wird ein schicker Wohncontainer hergerichtet. Heiratsvermittler Goro ist ein schmieriger Zuhälter, wie er klischeehafter kaum gezeichnet werden kann. Und aus den eigentlich gebildeten, traditionelle japanische Künste darbietenden jungen Geishas macht Knabe Kaugummi kauende minderjährige Prostituierte in Schnürstiefeln und kurzen Röckchen. Zum zweiten Akt lässt er die Titelheldin von einer zierlichen Japanerin zur pummeligen Amerikanerin mutieren, die in einem schäbigen, mit Obama-Poster und Freiheitsstatue, US-Flagge, Superman-Anzug und weiteren US-Devotionalien mehr ausstaffierten Heim dahinvegetiert.Unwiderstehlich süffiger Puccini-Klang

Knabe erzählt die private Tragödie der Butterfly realistisch, anrührend und zuletzt sogar ganz klassisch. Und doch ist das Hauptereignis die musikalische Seite. Durch die Erkrankung des Tenors Zurab Zurabishvili kam es bei der Premiere zur Wiederbegegnung mit dem Dortmunder Puccini-Traumpaar Annemarie Kremer (Butterfly) und Luis Chapa (Pinkerton), das dort 2008 unter Christine Mielitz in "Madama Butterfly" und "Tosca" triumphiert hatte. Auch in Essen gelingt den Beiden eine elektrisierende Darbietung, einfühlsam, ergreifend und mit strahlenden Spitzentönen.Ieva Prudnikovaite als Dienerin Suzuki und Mikael Babajanyan als Konsul Sharpless setzen weitere Glanzpunkte im durchweg überzeugenden Ensemble. Stefan Soltesz und die Essener Philharmoniker veredeln das Ganze mit einem höchst differenzierten, dabei unwiderstehlich süffigen Puccini-Klang. Kein Wunder, dass da am Ende die vereinzelten Buh-Ruhe in breiter Zustimmung untergingen.

Karten unter Tel.: (0201) 812 22 00.