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Kino: Oliver Jahns "Die Eisbombe"

Der falsche Film zur richtigen Zeit - so lässt sich "Die Eisbombe", Oliver Jahns satirisches Spielfilmdebüt, wahrscheinlich am besten beschreiben. Natürlich war es längst an der Zeit, dass sich einmal ein Filmemacher mit Themen wie Wellness-Wahn, Bio-Produkt-Terror und Gesundheitsparanoia beschäftigt. Nur macht Oliver Jahn es sich von Anfang an viel zu einfach.

von Von Sascha Westphal

, 11.08.2008
Kino: Oliver Jahns "Die Eisbombe"

Tom (Eike Weinreich) mit Regenschirm auf dem Sofa in einer Szene aus dem Film ?Die Eisbombe?.

Selbstverständlich gibt ein Lehrerehepaar mit zwei Söhnen und Häuschen in der Vorstadt, dessen Ökobewusstsein deutlich neurotische Züge trägt, ein perfektes Ziel für seine Attacken ab. Aber wenn diese Figuren, vor allem die Mutter, nie mehr als billige Zielscheiben sein dürfen, dann bleiben die Angriffe reine Munitionsverschwendung.

19 Jahre lang wurde Tom (Eike Weinreich) von seiner Mutter Beate (Karoline Eichhorn) auf Schritt und Tritt kontrolliert. Mit ihren Geschichten von den Gefahren, die Luftverschmutzung, Saurer Regen und Pestizide mit sich bringen, hat sie ihn in einen totalen Hypochonder verwandelt, der nahezu gegen alles allergisch ist.

Doch nun bietet sich dem Zivildienstleistenden endlich die Chance, sich Beates paranoiden Regime zu entziehen. Nachdem ein riesiger Eisklumpen unbestimmter Herkunft ins Dach seines Elternhauses eingeschlagen ist, zieht er nicht mit den anderen in den Atombunker im Garten, sondern in ein Zimmer in dem Krankenhaus, in dem er arbeitet.

Satire und Liebesgeschichte Die Satire auf die Psychosen einer Gesellschaft, die täglich mit neuen Horrormeldungen über die gesundheitlichen Auswirkungen verschiedenster Fremdstoffe in der Luft wie in Nahrungsmitteln bombardiert wird, ist nur die eine Seite von Jahns Debüt. Die andere ist eine biedere Coming-of-Age-Geschichte, wie sie vor allem das amerikanische Independent-Kino schon unzählige Male erzählt hat. So geht Toms Abnabelung von der Mutter mit seiner ersten großen Liebe einher. Zusammen mit der so lebenslustigen wie patenten Schauspielschülerin Lucie (Katharina Schüttler) entdeckt er die Welt noch einmal ganz neu.

Nur kommen diese beiden Seiten nie wirklich zusammen. Die satirischen Elemente des Films wirken vor dem Hintergrund der erschreckend konventionell erzählten Liebesgeschichte sogar geradezu niederträchtig.