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Klassische Bildsprache mit neuen Gedanken - Pavel Feinstein in Hagen

Osthaus Museum

HAGEN. Ein Affe sitzt vor einer Staffelei, zwei nackte Gestalten gehen mit dem Messer aufeinander los, daneben tanzt ein Rabbiner. Ein Rundgang durch die Ausstellung Pavel Feinsteins, ab dem 8. August im Osthaus Museum Hagen zu sehen, fordert Auge und Kopf gleichermaßen.

von Von Felix Guth

, 06.08.2010
Klassische Bildsprache mit neuen Gedanken - Pavel Feinstein in Hagen

Der Pavian als Porträtmaler: Eines der vielen - unbetitelten - "Affenbilder" des Malers Pavel Feinstein.

"Drama der Wahrscheinlichkeiten" ist die Sammlung von 132 Werken des in Berlin lebenden Russen überschrieben. Seine Ölbilder und Zeichnungen haben eine klare, eher klassische als moderne Bildsprache - und kitzeln doch auch immer den Zweifel im Betrachter. "Seine Bilder sind kein so-ist-es, sondern ein sowohl-als-auch", sagt Dr. Tayfun Belgin, Direktor des Osthaus Museums. Sinnstiftend ist Feinsteins Tiersymbolik. Die Affenbilder fügen sich gleich zu einer ganzen "Bande". Die Primaten als Motiv sind ein Verweis auf die Arbeit des Anthropologen Desmond Morris, der in den 50er Jahren Affen mit Farben hantieren ließ.

Feinstein bildet dies ab, geht aber gedanklich noch weiter. Da wird der Schimpanse zum Aktzeichner, der Pavian zum Porträtmaler. Ist er stolz oder tierisch verblüfft? Der Betrachter entscheidet. "Ich habe mit den Bildern alles gesagt", pflegt Feinstein auf Fragen nach der Intention seiner Kunst zu antworten. Da ist noch so viel mehr als Tiere. Etwa die Freude an der Nacktheit in fein gezeichneten Akten. Und doch ist nackte Haut für ihn nicht gleich Lust. Eine Öl-Reihe verbildlicht Kampf, Tod, Trauer. Immer wieder streut er Hinweise auf seine jüdischen Herkunft ein. Eine lose Serie zeigt Rabbiner, nur mit Hut und Hose, aber dafür einem Messer in der Hand. Alt-testamentarisch anmutende Szenen stehen gegen eine Stillleben-Optik mit Bezügen auf europäische Meister. Jedes Bild hat seinen eigenen gedanklichen Bruch. Das ist oft düster und verstörend. Aber auch radikal und manchmal witzig. Der 49-Jährige verweigert den klaren Gedanken. Und das macht seine Werkschau spannend für Auge und Kopf.

Ergänzt wird die Feinstein-Ausstellung im Osthaus Museum durch die Reihe „Gesichter und Gestalten“. Sie zeigt 77 Werke aus der Sammlung des Museums, die vor allem aus dem Umfeld der deutschen Künstlervereinigungen „Brücke“ oder „Der blaue Reiter“ stammen. Zu sehen sind unter anderem Zeichnungen und Grafiken von Max Beckmann, Ernst Ludwig Kirchner und Käthe Kollwitz. Das „Junge Museum“ im Osthaus Museum zeigt bis 31. Oktober „Klangwege – Hörende Augen und sehende Ohren“.

  • Pavel Feinstein, „Drama der Wahrscheinlichkeiten“ und "Gesichter und Gestalten - Expressionistische Blätter", bis 19.9. im Osthaus Museum, Museumsplatz 3, Hagen.
  • Öffnungszeiten: Di-Fr 10-17 Uhr, Sa/So 11-18 Uhr.