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Philharmonie Essen

Klaus Doldinger jongliert mit Klangwelten

ESSEN Nils Landgren gratuliert scherzhaft zum 60. Geburtstag. Helge Schneider sagt, er könne nicht glauben, dass der Mann alt sei. Der Jubilar lächelt und beweist in einem famosen Konzert, dass er keinesfalls zum Alteisen gehört. Und doch feierte Klaus Doldinger am 12. Mai seinen 80. Geburtstag.

Klaus Doldinger jongliert mit Klangwelten

Saxofonist Klaus Doldinger

Das schönste Geschenk machte er sich nachträglich selbst, mit einer Musik-Gala am Samstag in der Essener Philharmonie. An Doldingers Seite die aktuelle Passport-Formation, Weggefährten der früheren Besetzung, dazu Joo Kroos (Trompete), Posaunist Nils Landgren, Helge Schneider (Orgel) und Sängerin Leona Berlin.

Welch eine Karriere: vom Dixie zum Modern Jazz des Doldinger Quartetts hin zu afrikanischen Einflüssen, weiter zum Jazzrock. Doldinger jonglierte mit Klangwelten, als Etiketten wie "Ethno", "Fusion", "Chill" unbekannt waren, er komponierte für Werbung und Film, als Paul Nero machte er Easy Listening.

Bewegungsenergie

Brodelnd dampfig, mit schwülem Tropicana-Flair kommt "Rain Day" daher, das erste Stück, das Passport in Essen anstimmen. Drei Perkussionisten umfasst das Septett. Auch ein Grund, warum Doldingers Sound bei aller Eleganz und Virtuosität diese starke körperliche Note hat, eine Bewegungsenergie, deren Vibration selbst bei Balladen spürbar ist.

Das atmet und fließt, das klingt erhaben und duftig ("Ataraxia"). Oder es groovt wie Hölle, so im Funk-Kracher "Soul Town", wo Doldingers Saxofon und Landgrens Posaune erst turteln wie zwei Verliebte, bevor die Band vor Power und Spielfreude explodiert und förmlich abhebt. Magisch, wie das aufputscht, fesselt und gefangen nimmt.

Duett mit Helge Schneider

Mit Helge Schneider spielt Doldinger ein Duett ("St. James Infirmary"), Leona Berlin übernimmt den Gesang bei "New Moon". Für "Sahara" wechselt Doldinger an die Querflöte: Flirrende Impressionen von Wüste und Dünen kippen in ein Synthie-Motiv, das jeden Rave zur Raserei triebe.

Zum Nachtisch serviert Doldinger sein "Tatort"-Thema, vital und erfrischend wie das ganze Konzert.

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