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Kleinteilig, kurzweilig, konsumierbar

KÖLN/DÜSSELDORF Es ist fünf Uhr am Nachmittag. Ein Pärchen liegt sich in den Zuschauerreihen der Kölner Studiobühne in den Armen und schläft. Vorschlafen nennt man das: um den Rest des Impulse-Theatermarathons durchzustehen.

von Von Max Florian Kühlem

, 26.11.2007
Kleinteilig, kurzweilig, konsumierbar

Trashpuppen-Theater von "Das Helmi".

Mit "Mein München" haben sie sich dafür genau die richtige Inszenierung ausgesucht: Nie wieder ist das Publikum an diesem Tag so missmutig, viele verlassen noch während des dürftigen Schlussapplauses den Raum. Hier durchzufallen, muss für die Truppe "Die Bairische Geisha" besonders hart sein, nehmen am Theatermarathon doch vor allem Journalisten, Künstlerkollegen, Kuratoren internationaler Festivals und eine Abordnung des Goethe-Institutes teil. Weil solche Menschen naturgemäß wenig Zeit haben, werden sie mit gelben Bussen gleich zu vier Aufführungen an einem Tag kutschiert.

Das ist weniger anstrengend als es klingt. - Vor allem, weil das Programm, das die künstlerischen Leiter Tom Stromberg und Matthias von Hartz aus dem Überangebot freier deutschsprachiger Theaterproduktionen ausgewählt haben, kleinteilig, kurzweilig und leicht konsumierbar ist.

Party-Hopping

Der Impulse-Marathon ist ein bisschen wie Party-Hopping: Für eine Stunde verweilt man an den verschiedenen Orten und wohnt einem Happening bei, das sich manchmal nur noch sehr lose mit dem Begriff Theater fassen lässt.

"Das Helmi" machen im ausverkaufen Kölner Kunstverein den Anfang, zeigen Trash-Puppentheater (Foto) mit aus Schaumstoff und alten Kuscheltieren zusammengebasteltem Arbeitsgerät. "Mein Klavier klingt wie ein Akkordeon - das ist experimentell, ein Impuls!", lassen die drei Herren eine Figur in ihrer "Interpretation" des Filmklassikers "Leon der Profi" sagen. Man gibt sich selbstironisch, reflexiv, lässig, cool und albern, nimmt den billigen Gag immer mit. Witzig ist das, Selfmade-Theater für jedermann. Ob die mitreisende Dramaturgin des Stadttheaters Ideen dieser "Inszenierung" aufnehmen wird, bleibt fraglich.

Bühne als Kampfarena

Ein interessantes Spiel mit Formen des Theaters gibt es erst später am Abend zu sehen: Eine internationale Performance-Gruppe um die Choreografin Ivana Müller lässt im Düsseldorfer Forum Freies Theater jede Bewegung erstarren und dafür der Fantasie freien Lauf. Es ist in erstaunlich, wie wirkungsvoll diese feine Komposition aus Texten, Geräuschen und Lichtstimmungen gelingt: Fünf Darsteller lassen die verschiedensten Situationen entstehen, durchdringen sie und schließlich sogar ihre gegenseitigen Körper und Vorstellungen und die der Zuschauer. Begeisterter Applaus macht Müllers Performance höchst preisverdächtig.

Der Ausklang ist mehr Party als Theater: Die Österreicher von "God's Entertainment" transferieren das Videospiel "Tekken" in die reale Kampfarena des Kölner Kunstvereins. Darsteller kämpfen gesteuert von Zuschauern, Performer heizen das Publikum an. Der einzige Bruch ist am Ende die Verweigerung der Präsentation des Gewinners. Reicht das schon, um ein Publikum zum Nachdenken zu bringen über Gewalt und deren Anziehungskraft? Will dieses Theater überhaupt noch Denkprozesse auslösen? Im Kunstverein jedenfalls ist das erstmal egal: Der DJ legt schon auf.