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Duisburger Küppersmühle

Klemm und Moses zeigen Künstler aus ungewöhnlicher Sicht

DUISBURG Wer meint, sein Schreibtisch sei nicht aufgeräumt genug, der sollte sich einmal das Arbeitszimmer von Friederike Mayröcker anschauen. Die Dichterin hockt inmitten einer wahren Zettel-Explosion. Und das ist nicht die einzige Überraschung, die die Künstlerporträts von Barbara Klemm und Stefan Moses im Duisburger Museum Küppersmühle bereithalten.

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Den Pop-Artisten Andy Warhol traf Barbara Klemm zufällig 1981 im Frankfurter Städel, wo er sich Tischbeins Gemälde "Goethe in der Campagna" anschaute.

Barbara Klemm im Museum Küppersmühle für Moderne Kunst.

An die 400 mittelgroße Schwarz-Weiß-Fotos hängen in dem Haus, das sich sonst den Riesenformaten hingibt. Also heißt es: näher herantreten, genauer hinschauen. Und das lohnt sich. Denn die Früchte zweier Fotografenleben sind hier ausgebreitet – eine prächtige Ernte, ein Panorama der Künstler, Philosophen und Politiker.

Wer von Klemm (74) oder Moses (86) nicht fotografiert wurde, der konnte eigentlich nicht wichtig sein. Sie lichteten ab: Showstars wie Sammy Davis jr., Tina Turner und Madonna, die Literaturnobelpreisträgerinnen Elfriede Jelinek und Herta Müller, Künstler wie Joseph Beuys und Gerhard Richter, Musiker von György Ligeti bis Mick Jagger. Und dann sitzt da zur Eröffnung eine zurückhaltende, feinsinnige und überaus freundliche Dame, deren Wahlspruch „Schwarz-Weiß ist Farbe genug“ lautet. Ihre kleine Leica-Kamera hat sie unter dem Tisch versteckt, aber doch stets griffbereit. „Ich weiß, was ich will, aber ich mache es auf die stillere Art“, lächelt die gebürtige Münsteranerin Barbara Klemm, die lange Redaktionsfotografin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung war.

Zu jedem ihrer Fotos hat sei eine kleine Anekdote parat – etwa zum Dramatiker Thomas Bernhard, der auf ihrem Bild durch die Gewölbe seines Anwesens wandert. Den Termin hatte sie wie viele andere ihrem Kollegen Marcel Reich-Ranicki zu verdanken. Vorher hatte es geheißen, Bernhard sei schwierig. „Dann haben wir in der Küche gesessen und über unsere Putzfrauen geredet“, sagt Klemm. Um andere Fototermine musste sie jahrelang kämpfen – etwa um ein Treffen mit Stahlbildhauer Richard Serra, dessen Gesicht sie ablichtete, als sei es aus Eisen gehauen. „Das, was einen Menschen ausmacht, festzuhalten“, sei nicht einfach, so Klemm. Und manchmal, nur manchmal, helfe neben guter Vorbereitung auch der Zufall. Als Klemm das Kunstprojejekt „Roden Crater“ von James Turrell in den USA fotografierte, ging über dem erloschenen Vulkan der Vollmond auf. Klemm: „Das sind Glücksmomente.“ Der Münchner Stefan Moses dagegen, der zur Eröffnung wegen eines Sturzes nicht kommen konnte, schmiedet sein Glück mit aufwendigen Inszenierungen. Ganze Scharen von Promis und Politikern porträtierte er entspannt im Wald. Aber er hatte auch den richtigen Riecher, fotografierte den mutigen Staatsanwalt Fritz Bauer oder den Intendanten Peter Zadek in Bochum. Gerade noch rechtzeitig bat er auch die Ostdeutschen vor die Kamera. Die „Facharbeiterinnen der Pflanzenproduktion“ etwa strahlen ein selbstverständliches weibliches Selbstbewusstsein aus, das durchaus Positives über die einstige DDR zu sagen hat. Auch wieder so eine Überraschung.  

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Den Pop-Artisten Andy Warhol traf Barbara Klemm zufällig 1981 im Frankfurter Städel, wo er sich Tischbeins Gemälde "Goethe in der Campagna" anschaute.

Barbara Klemm im Museum Küppersmühle für Moderne Kunst.

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