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Knast-Ausstellung angezählt

HERNE Befreien wollten sie die Kunst - ja "resozialisieren" wie einen Häftling, der seine Strafe abgesessen hat. Aber wie die einstigen Insassen gerieten auch die Künstler im leer stehenden Hafthaus in der Herner Innenstadt schon bald heftig aneinander.

Knast-Ausstellung angezählt

"Die Tage sind gezählt" nennt Till Wiedeck seine Installation in der Einzelzelle 17 des ehemaligen Herner Hafthauses.

Am Sonntag wollten sie eigentlich ihr Programm zur Halbzeit der Ausstellung "KunstKnast Emscher-Valley 2007" vorstellen. Doch noch vorher kam es zum Eklat. Der Recklinghäuser Künstler Reiner Kaufmann, der rund 20 seiner Kolleginnen und Kollegen im ehemaligen Gefängnis zusammengebracht hatte, überwarf sich mit dem Hausherrn, dem Leiter der JVA Castrop-Rauxel, Julius Wandelt. Während Wandelt nun sämtliche Veranstaltungen zur Ausstellung gestrichen hat, nahm Kaufmann die von ihm und einigen Gastkünstlern gestalteten Zellen in Einzelhaft und klebte selbst gemachte "Siegel" an die Türen.

Weitergehen soll´s dennoch

Weitergehen soll die Ausstellung dennoch bis zum 16. Dezember - als reine Schau ohne Begleitprogramm, zu sehen jeweils sonntags zwischen 14 und 17 Uhr. Ob die "versiegelten" Zellen wieder für Besucher geöffnet werden, sollen die Künstler nun selbst entscheiden.

Erst vor zweieinhalb Wochen hatte der "KunstKnast" unter der Schirmherrschaft von NRW-Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter seine Pforten fürs Publikum geöffnet.

Direktor gab den Anstoß

Gefängnisdirektor Wandelt, zu deren JVA das Herner Hafthaus gehört, hatte den Anstoß zur Kunstaktion gegeben. "Ich fand?s einfach schade", sagt Wandelt, "dass der Steuerzahler noch bis zum Jahresende die Miete bezahlt, das Gebäude aber gar nicht mehr benutzt wird." Bereits seit 2002 gibt es keine Häftlinge mehr in Herne. Mit nur 32 Zellen ist das ehemalige Gerichtsgefängnis von 1923 zu klein, um wirtschaftlich betrieben zu werden. Im kommenden Jahr wird es voraussichtlich abgerissen.

Für die Gelsenkirchener Künstlerin Irmi Sellhorst ist es ein Gebäude, das viele Fragen aufwirft. "Während der Nazizeit waren hier Juden und Zigeuner eingesperrt", sagt sie, "nach dem Krieg wurde es ein Männergefängnis, ein Abschiebeknast, und zum Schluss waren hier Jugendliche in Haft." Letztere haben sich bis heute mit Kritzeleien, Versen und - teils üblen - Parolen an den Zellenwänden verewigt.

Vielfältige Ideen für die leeren Zellen

Den Künstlern lieferten sie Anknüpfungspunkte für ihre Rauminstallationen. Die Ausdrucksformen und Techniken sind denkbar vielfältig. Christina Böckler aus Duisburg, die Gratis-Postkarten in filigranen Montagen zu "Stummfilmen" auf zehn mal 15 Zentimetern schichtet, und Thorsten Trelenberg aus Schwerte, der unter dem Titel "Das Böse in Dir" reichlich Kunstblut in zwei benachbarten Zellen verteilt, markieren die äußeren Ränder des vorhandenen Spektrums. Fast alle lassen ihre Arbeiten für sich sprechen - ohne weitere Erläuterungen. Till Wiedeck aus Münster muss seine Installation - eine Raum-füllende Strichliste - eh nicht erklären. Der Titel seiner Arbeit aber trifft in jedem Fall auf die gesamte Ausstellung zu: "Die Tage sind gezählt". Ein vorzeitiges Ende wäre aber in jedem Fall bedauerlich.

Hafthaus Herne, Bergelmanns Hof 6 (Friedrich-Ebert-Platz).

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