Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Anzeige
Anzeige

Ruhrfestspiele: "Endspiel"

Köstlich abgründiger Affentanz für zwei Schauspieler

MARL Der Mensch als ein Geschöpf, das nicht nur lebt, um zu essen und zu verdauen, sondern mehr will: Zerstreuung. Und Spiele, mit denen den Fluch von Denken und Vernunft in einen Trost verwandeln will. Demnach kann man Samuel Becketts „Endspiel“ auf die Formel „Ich spiele, also bin ich!“ bringen.

Köstlich abgründiger Affentanz für zwei Schauspieler

Wolfram Koch spielt den Diener Clov.

Angesichts einer leeren, sterbenden Welt, deren Agonie auf die letzten Menschen übergreift, spielen diese Menschen verbales Pingpong.

Hamm und Clov mögen die endlosen Wiederholungen ihres Geplappers satt haben, das Publikum im Theater Marl amüsierte sich königlich in Jan Bosses Fassung des „Endspiels“, gesehen bei den Ruhrfestspielen. So witzig wie im Gastspiel des Deutschen Theaters Berlin hat man diesen Beckett noch nicht gesehen.Ulrich Matthes als der blinde Hamm und Wolfram Koch als sein Diener Clov sind ein Ereignis. Wie beide in Hassliebe sich umkreisen, bis zum Überdruss ihre Kommunikationsrituale abspulen, das ist allerbeste Unterhaltung. Angewidert von Gewohnheit und Langeweile können sie nicht anders – ein trotzig behaupteter Spieltrieb ist ihre essentielle Lebensäußerung.

Matthes, Glitzeranzug, verspiegelte Brille, thront in der Mitte einer schiefen Ebene. Koch, Hausfrauenkittel und Sandalen, ist sein Hofnarr, der um ihn herum scharwenzelt: genervt, aufmüpfig, aber zu Diensten. „Erfinde was!“, befiehlt Hamm, und Clov saugt sich etwas aus den Fingern.Wunderbar, wie bei Koch Körperkomik und Mienenspiel zu Slapstick verschmelzen. Wie er Backen-schlackernd einen Wecker spielt – saukomisch. Er guckt finster debil, durchgeknallt blöde oder treudoof beflissen, kann aber seinem Herrn Paroli bieten. Matthes ist über die Sprache präsent. Sein Hamm diktiert die Regeln dieses köstlich abgründigen Affentanzes für zwei. Donnernder Applaus.

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Kunsthalle Düsseldorf

NRW-Stipendiaten stellen sich in einer Ausstellung vor

DÜSSELDORF Nothing" (Nichts) wiederholt eine Stimme im schwarz ausgeschlagenen Kabinett. Hier herrscht pure Leere. Und der Besucher nimmt kaum die Hand vor Augen wahr. Minuten später glimmt ein Licht auf und leuchtet kreisrund den leeren Boden aus. "No Thing" (Kein Ding) verkündet die Stimme nun.mehr...

Ruhrfestspiele

Fritsch´ „Apokalypse“ mit Hampelmann

RECKLINGHAUSEN Das Ende ist nah. Zumindest das der Ruhrfestspiele, denn das Festival dauert nur noch eine Woche. Zeit also für die biblische "Apokalypse" auf der Bühne? Ja, wenn der Regisseur die Katastrophe nur nicht so wörtlich genommen hätte.mehr...

Fünf Sparten

Das ist die Saison 2016/17 im Theater Dortmund

DORTMUND Mit einer Auslastung von 73,1 Prozent, 231.000 Zuschauern in 624 Vorstellungen und knapp vier Millionen Euro Einnahmen in dieser Saison startet das Theater Dortmund mit viel Rückenwind in die nächste Saison. Am Mittwoch stellten alle fünf Sparten den neuen Spielplan vor. Und für die aufsehenerregendste Nachricht sorgte das Ballett.mehr...

Ruhrfestspiele

„Münchhausen“: Solo für einen charmanten Hochstapler

MARL Er schleicht um die Bühne wie die Katze um den heißen Brei, tastet sich zögerlich vor, bis er oben ist: "Ähem - dann geht’s jetzt los. Das ist ein Stück über mich. Nicht ich, sondern ich als Figur, wenn ich das richtig verstanden habe."Milan Peschel spielt Milan Peschel, so wie Armin Petras ihn sieht.mehr...

Saison 2015/16

Der Spielplan des Theater Dortmund glänzt

DORTMUND Glänzend orange und silbern ist das neue Spielzeitbuch des Theater Dortmund für die Saison 2015 / 16. Und der Inhalt ist ebenso glänzend wie der Einband. Das Dortmunder Fünf-Sparten-Haus ist im Aufwind, hat die Auslastungszahlen, die für diese Saison noch nicht komplett vorliegen, gesteigert. Das Theater hat am Mittwoch einen spannenden Spielplan vorgestellt.mehr...

Saison 2015/16

Schauspiel muss die große Bühne im März räumen

Auf zwei große Produktionen muss Voges in der nächsten Saison verzichten, in der übernächsten auf weitere ein bis zwei. Vier Premieren präsentiert das Schauspiel 2015 / 16 im großen Saal, fünf im Studio (darunter „Besessen“ von Jörg Buttgereit ab 19.9. und „Das Maschinengeweht Gottes“ von Wenzel Storch ab 10.12.), außerdem gibt es 14 Wiederaufnahmen. Der musikalische Leiter Paul Wallfisch geht zum Ende dieser Spielzeit, sein Nachfolger ist Tommy Finkemehr...