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Kreativwirtschaft im Ruhrgebiet macht weniger Umsatz

Neue Studie

DORTMUND. Die Zeiten, in denen das Ruhrgebiet für Kohle und Stahl bekannt war, sind lange vorbei. In einer Region des Strukturwandels soll neben der Industrie auch die Kreativbranche zum Motor der Wirtschaft gehören, so der Wunsch von Politik und Verbänden. Doch die Zahlen sagen etwas anderes. In vielen Bereichen sieht es düster aus.

11.03.2015
Kreativwirtschaft im Ruhrgebiet macht weniger Umsatz

Ecce, das Europäische Zentrum für die Kreativwirtschaft ist im Dortmunder U-Turm beheimatet.

Sechs Milliarden Euro Jahresumsatz erwirtschaftete die Kreativindustrie im Ruhrgebiet 2012. Das mag viel klingen, doch die Zahlen sagen etwas anderes. Der Umsatz- und Erwerbstätigenanteil der Kreativbranche an der Gesamtwirtschaft beträgt nur rund zwei Prozent.

Damit erzielt das Ruhrgebiet im Vergleich mit NRW und Gesamtdeutschland nur einen unterdurchschnittlichen Wert. Der Umsatz in der Kreativbranche ist in der Metropolregion zwischen 2009 und 2012 um 6,1 Prozent zurückgegangen, während er in NRW um 0,1 Prozent und in Deutschland um 6,7 Prozent gestiegen ist.  

Wechselhaften Phasen  

Das geht aus einer Studie des Wirtschaftsforschungsunternehmens Prognos hervor, die von der Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr (WMR) und dem Dortmunder „European Centre for Creative Economy“ (Europäisches Zentrum für die Kreativwirtschaft, Ecce) in Auftrag gegeben wurde. Teile der Studie wurden Ende 2014 vorgestellt, die kompletten Ergebnisse sollen in den kommenden Tagen veröffentlicht werden.  

„Die Kultur- und Kreativwirtschaft im Ruhrgebiet steckt in einer wechselhaften Phase“, sagt der Kölner Michael Söndermann, der mit seinem Unternehmen die Kreativwirtschaft analysiert. Warum steht das Ruhrgebiet schlecht da? „Es hat innerhalb von NRW Standortnachteile“, sagt Söndermann.  

Köln und Düsseldorf sind beliebt

Viele Kreative würden lieber nach Köln und Düsseldorf gehen. Dort seien alle Bereiche der Kreativwirtschaft vertreten. Dieses Umfeld bietet für Selbstständige und Unternehmer bessere Voraussetzungen. Denn bislang sind laut der Prognos-Studie meist Kreativunternehmen Hauptauftraggeber für Kreative.

In Köln und Düsseldorf haben zudem der Rundfunksektor und große Teile der audiovisuellen Industrie – Kino, Fernsehen, Radio, Video – ihren Hauptsitz, sagt Söndermann. „Die sind ein Motor der Kreativwirtschaft und fragen nach Dienstleistungen im direkten Umfeld.“ Und obwohl die Attraktivität des Ruhrgebiets als Standort für Kreativwirtschaft aus Sicht der Unternehmen laut Prognos-Studie gestiegen ist, hat die Region bei Kreativen noch immer ein schwaches Image.  

Negative Entwicklung

Doch was wollen Politik und Wirtschaft gegen die negative Entwicklung im Bereich der Kreativwirtschaft unternehmen? Versuche von Seiten der Politik und der Wirtschaft gibt und gab es viele – Initiativen und Foren wie die Konferenz Forum d’Avignon Ruhr in Essen; in diesem Jahr sollen auf Initiative der WMR drei regionale Innovationswerkstätten folgen.

Auch die Studie soll zu einer positiven Entwicklung der Kreativwirtschaft beitragen. Mit dieser seien regionale Stärken identifiziert worden, heißt es von Seiten der WMR. „Sie liegen in der Metropole Ruhr besonders in den Bereichen Architektur, Software, Games und Design.“ Was das konkret für die Arbeit von Politik und Wirtschaft bedeutet, bleibt unklar.  

Kreativquartiere  

Auch Ecce will die Kreativwirtschaft im Ruhrgebiet stärken. Das Dortmunder Zentrum ging aus einer Nachhaltigkeitsvereinbarung zur Kulturhauptstadt Ruhr2010 hervor. 300 000 Euro bekommt es seitdem jährlich, finanziert zu gleichen Teilen vom Land NRW und dem Regionalverband Ruhr.

Ecce arbeitet als Moderator mit städtischen Behörden, Kulturbüros und Wirtschaftsförderungen zusammen, um sogenannte Kreativquartiere zu entwickeln, in denen sich Unternehmen und Selbstständige aus dem Kreativbereich ansiedeln sollen.  

Zweifel an der Effektivität

Kritiker zweifeln an der Nachhaltigkeit und Effektivität. Die Internetseite Labkultur, ein weiteres Ecce-Projekt, hat Ende 2014 den Betrieb eingestellt, weil die Fördergelder aufgebraucht waren. 

 

Das Urteil von Michael Söndermann zur Entwicklung der Kreativwirtschaft im Ruhrgebiet fällt dagegen vernichtend aus: „Das Ziel, aufgrund des Strukturwandels in diesem Feld neue Branchen anzusiedeln, gibt es schon lange. Es sind viele Jahre verflossen, getan hat sich nicht viel.“

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