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Krieg auf und vor der Bochumer Bühne

BOCHUM Sichtlich erregt steht Jürgen Flimm auf der Bühne der Bochumer Kammerspiele. "Ich kenne so etwas nicht", sagt er und meint damit das Abhalten einer Lesung unter Protest von Teilen des Publikums.

von Von Max Florian Kühlem

, 12.11.2007

 

Hohe Wellen hatte bereits die Ankündigung der Veranstaltung geschlagen, in der der scheidende Intendant der Triennale gemeinsam mit Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) Texte zu Krieg und Frieden lesen wollte. Obwohl der Abend unter dem Matthias-Claudius-Motto "'s ist leider Krieg" im Oktober schon im Triennale-Programm lief, meldete sich jetzt der frühere Intendant des Bochumer Schauspielhauses Frank-Patrick Steckel mit einem offenen Brief zu Wort (wir berichteten). Er forderte seinen Kollegen Elmar Goerden auf, "Angehörigen der kriegstreibenden Bundesparteien" den Auftritt zu verwehren.

Aktivisten hielten Transparente

Goerden verwehrte nicht, sondern begrüßte, "wenn Menschen, gleich welcher Couleur, sich mit diesem wichtigen Thema auseinandersetzen." Auch Mitgliedern des Bochumer Friedensplenums waren willkommen. Sie verteilten am Abend ein alternatives Programmheft mit Texten zum Schrecken des Krieges und Goerdens und Steckels Briefwechsel. Vor Beginn der Veranstaltung stellten sich die Aktivisten mit einem Transparent vor der Bühne auf und verlasen einen Text, in dem Lammert als "Friedensheuchler" dargestellt wurde, weil er Einsätze im Kosovo und in Afghanistan befürwortet habe.

Die Lesung, die nur für zu einem Drittel ausgelastete Kammerspiele gesorgt hatte, konnte dann in relativer Ruhe stattfinden. Flimm und Lammert bauten Brücken, indem sie etwa ein Erich Fried-Gedicht aus dem Programm der Aktivisten lasen und erregten deren Unmut wieder, als Lammert Albert Einsteins Text "Für einen militanten Pazifismus" vortrug.

Schauspielhaus auch künftig offen für Politiker

Am Ende stellten sich beide der Diskussion. Flimm stellte dabei klar, dass er "schon vor 100 Jahren" aus der SPD ausgetreten sei und war fassungslos, als er in Steckels Brief eine Passage entdeckte, in der er als "zweifelhafte Existenz" bezeichnet wird. Lammert betonte, dass er nie behauptet habe, Pazifist zu sein und fragte: "Doch warum dürfen Künstler sich mit Politik beschäftigen, aber Politiker nicht mit Kunst?" Intendant Goerden kündigte am Ende an: "Auch in Zukunft wird mein Haus für Persönlichkeiten aus der Politik offen stehen."

 

 

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