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Denkmäler für Industriellen

Kunst-Star Ottmar Hörl gießt Friedrich Harkort 125 Mal in Plastik

WETTER. Größe: 100 Zentimeter, Gewicht: acht Kilogramm, Name: Friedrich Harkort. Das sind die Eckdaten. Jetzt muss Ottmar Hörl die 125 Kunststoff-Statuen des Industrie-Riesen Friedrich Harkort nur noch produzieren. Die Auftragsarbeit des Lions Clubs Wetter ist für den Künstler aus Hessen nur eines von vielen Projekten, mit denen er weltweit berühmt wurde.

Kunst-Star Ottmar Hörl gießt Friedrich Harkort 125 Mal in Plastik

In diesen drei Farben wird es die 100 Zentimeter großen Plastik-Harkorts zu kaufen geben.

Die Liste der Namen ist prominent gefüllt. Ottmar Hörl setzte bereits Luther, Wagner, Marx oder Goethe ein Denkmal. Im vergangenen Jahr sorgte er mit 500 Karl-der-Große-Figuren für eine beeindruckende Installation im Aachener Stadtgebiet.

Mit dem Hitler-Gartenzwerg, der den rechten Arm zum Gruß ausstreckt, fiel Hörl im Jahr 2009 zunächst negativ auf. Immerhin leitete die Staatsanwaltschaft in Nürnberg ein Vorermittlungsverfahren gegen den Künstler wegen Verwendung von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen ein.

Später sollte das Verfahren eingestellt werden. Hörl hatte mit der Figur den Nationalsozialismus der Lächerlichkeit preisgeben wollen. Heute kann man den 40 Zentimeter hohen Zwerg auf Hörls Homepage für 50 Euro kaufen.

"Vater des Ruhrgebiets"

Jetzt also ist Friedrich Harkort an der Reihe, der "Vater des Ruhrgebiets". "Von dem hatte ich vorher noch nie was gehört", gibt Ottmar Hörl zu. Scheinbar hat sich der Name Harkort, nach dem im Ruhrgebiet Straßen, Cafés oder Seen benannt sind, über die Grenzen der Region noch nicht herumgesprochen.

Sei’s drum. Für Hörl ist das kein Argument. Die Auftragsarbeit des Lions Clubs in Wetter ist für den 64-Jährigen nicht nur rein künstlerisch eine gute Sache. Immerhin, sagt er, sei Harkort eine Persönlichkeit gewesen, die in ihrem Unternehmerleben viel riskiert und vielen Menschen einen Arbeitsplatz gegeben habe. Der Respekt für die Biografie Harkorts ist Hörl anzumerken.

Biografie wird gewürdigt

Es ist eine Biografie, die der Lions Club Wetter zu würdigen beschloss und dafür den bekannten Künstler engagierte. Immerhin ließ Harkort 1819 die Mechanischen Werkstätten in Wetter errichten, in denen früher Beleuchtungsapparate und Dampfmaschinen hergestellt wurden, schmiedete Pläne für eine Eisenbahnstrecke und war politisch engagiert.

Wie das so ist, mit den ehrenwerten Persönlichkeiten, soll dem Helden aus Wetter jetzt ein Denkmal gebaut werden - genauer gesagt 125 Denkmäler. So viele Harkort-Figuren wird Hörl im Auftrag des Lions-Clubs erschaffen. Die Gießform aus Kupfer und Nickel, die einem Ton- und einem Wachsmodell folgt, ist bereits fertig.

Sie zeigt einen Friedrich Harkort, wie er nach den Vorstellungen Hörls vor seinem Werk gestanden haben könnte: die Arme verschränkt, selbstbewusst und stolz. "Ich möchte an Harkort erinnern, in dem ich möglichst nah an der Wirklichkeit bleibe", sagt Hörl.

Erlös an Kinderschutzbund

Mitte Juli sollen die Statuen übergeben werden. Den Nettoerlös aus der Aktion, bei der die Figuren für 350 Euro (signiert 700 Euro) verkauft werden, wird der Lions Club verschiedenen Ortsverbänden des Kinderschutzbundes spenden, verrät Helmut Franzen, letztjähriger Präsident der Lions.

Um auf die Aktion aufmerksam zu machen, sagt Franzen, werde es mehrere Ausstellungen in der "Harkort-Region" geben, in denen mal 25, mal alle 125 Statuen zu sehen sein werden. Ausstellungen in Hagen, Herdecke und Wetter stehen bereits fest, für Dortmund und Witten ist der Lions Club noch auf der Suche nach einer Ausstellungsfläche.

Keine Klassengesellschaft

Dort sollen, möglichst unter freiem Himmel, Menschen zusammenkommen, in Kontakt mit der Person Harkort treten, sagt Ottmar Hörl. Es ist die Kunst des einfachen Mannes, die der Künstler schaffen möchte. "Kunst hat mit Klassengesellschaft nichts zu tun", sagt er. Es ist ein Satz, der auch von Friedrich Harkort, dem sozial denkenden Industriepionier, stammen könnte.

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