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"Zur Nachahmung empfohlen"

Kunst mit Gurken oder Geld

Seit dem 25. Mai 2009 überweist Christin Lahr täglich einen Cent an das Bundesfinanzministerium, um beim Abbau der deutschen Staatsschulden zu helfen. "Die Menschen denken nicht genug über das Thema nach. Das sind doch auch meine Schulden", sagt die Künstlerin - und will noch 43 Jahre lang weiter machen.

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An den Unmengen von Plastiktüten könnte Ausstellungskuratorin Adrienne Göhler verzweifeln. Man kann daraus allerdings auch Kunst machen - das Bild hinter ihr besteht aus Tütenschnipseln.

»Food Waste« (Lebensmittelverschwendung) heißt die preisgekrönte Fotoserie der Dortmunderin Emine Ercihan. Dieses Zimmer ist mit Gurkenscheiben übersät.

"Macht Geschenke: Das Kapital" heißt die Aktion. Unter "Verwendungzweck" trägt Christin Lahr täglich 108 Buchstaben aus dem Werk "Das Kapital" von Karl Marx ein. "Auf die neuen SEPA-Überweisungen passen sogar 140 Zeichen", schmunzelt sie. Trotzdem wird es 43 Jahre dauern, bis sie den Marx-Text komplett an Finanzminister Schäuble und seine Mannen übermittelt hat.Stationen in Indien und Mexiko "Ich setze einen Impuls, den Rest macht das System", sagt die Künstlerin, die das Ministerium schon ziemlich genervt haben dürfte. Denn schließlich muss alles ordentlich verbucht werden.

Diese Kunst-Aktion gibt zu denken - wie so vieles in der Ausstellung "Zur Nachahmung empfohlen!". Das ist eine große Wanderausstellung, die nach Stationen in Indien, Äthiopien, China, Brasilien und Mexiko nun in den Hallen 6 und 8 auf Zeche Zollverein angekommen ist.

54 internationale Künstler

"Die Welt darf nicht Experten allein überlassen werden", heißt das Credo der Kuratorin Adrienne Göhler. Deshalb hat die ehemalige Berliner Kultursenatorin ("mein Regierungspraktium" nennt sie diese Zeit) 54 internationale Künstler an das Thema Nachhaltigkeit herangelassen.

Zwischen Ästhetik und Denkanstößen wandeln Arbeiten wie die außergewöhnlichen Fotos der Dortmunderin Emine Ercihan (25). Sie hat für ihre Bachelor-Arbeit "Food Waste" an der FH Dortmund Lebensmittel wie Kartoffeln, Gurken und Salat genommen und damit Räume ausgekleidet, kritisiert unseren maßlosen Umgang mit Lebensmitteln.Schmerzen verursachen "Ich wollte ein Gefühl für Verschwendung schaffen, auch beim Betrachter Schmerzen verursachen", sagt sie. Damit hat sie den Canon-Förderpreis im Bereich Profi-Foto gewonnen.

Hermann Josef Hack baute eine Miniatur-Siedlung aus Flüchtlingszelten, Dodi Reifenberg "malt" Bilder aus Tütenschnipseln. Marlen Liebau und Marc Lingk haben Solarkugeln aufgehängt, die nur bei Sonnenlicht musizieren.

Berg aus Braunkohle-Briketts Fürs Internet brauchen wir nicht viel Strom, denkt man. Von wegen! Vor der Zeche Zollverein steht ein riesiger Berg aus neun Kubikmetern Braunkohle-Briketts. Sie setzen bei der Verbrennung so viel CO² frei wie jene Million Computernutzer, die den Trailer zum Film "Avatar" heruntergeladen haben.

Nicht zum ersten Mal in der Schau schlägt einem das eigene Gewissen. Erlebenswert!

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An den Unmengen von Plastiktüten könnte Ausstellungskuratorin Adrienne Göhler verzweifeln. Man kann daraus allerdings auch Kunst machen - das Bild hinter ihr besteht aus Tütenschnipseln.

»Food Waste« (Lebensmittelverschwendung) heißt die preisgekrönte Fotoserie der Dortmunderin Emine Ercihan. Dieses Zimmer ist mit Gurkenscheiben übersät.

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