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Ausstellung in Düsseldorf

Kunstsammlung NRW zeigt 110 Meisterwerke Mirós

DÜSSELDORF. Den katalanischen Maler Joan Miró glaubt jeder zu kennen. Seine symbolträchtige, farbenfrohe Malerei wirkt durch kindlich naiv anmutende Bildchiffren aus Flora, Fauna und Kosmos noch heute populär. Wenn sich Kunstliebhaber bei diesem Poeten unter den Malern des 20. Jahrhunderts da mal nicht täuschen.

Kunstsammlung NRW zeigt 110 Meisterwerke Mirós

„Frauen und Vögel in der Nacht“ malte Joan Miró 1945.

Literatur, surrealistische zumal, beeinflusste seine Malerei. Aber wie intensiv sie Miró inspirierte und wie seine Bildgespinste umgekehrt große französische Autoren beeinflussten, untersucht nun zum ersten Mal eine großartige Ausstellung in der Kunstsammlung NRW.

Unter dem Titel "Miró. Malerei als Poesie" breitet sie in seltener Fülle 110 Werke aus - Gemälde und Malerbücher, dazu einige Objekte und Zeichnungen.

Schon das berühmte frühe Stillleben "Nord-Sud" von 1917 zeigt außer einem Band von Goethe die Titelseite der gleichnamigen Literaturzeitschrift. Durch sie lernte er die ein Jahr darauf erschienenen Kalligramme des "Nord-Sud"-Gründers Guillaume Apollinaire kennen.

Sprache der Sterne

In seinen Bildgedichten, den "Peintures poèmes", gehen Wörter und typografisch eingebaute Lettern in den Zwanzigern eine verschlungene Verbindung ein mit der symbolischen Zeichensprache der Sterne, Monde und Kreise, der flammenden Herzen, der begehrenden Vögel mit Frauenfiguren, zur Flucht einladenden Leitern, Spinnen und losgelösten Augen. Und all dies in einer blühenden Farbenpracht, die allein schon poetischen Zauber entfacht. Das bizarre braungrundige Großformat "Sterne im Geschlecht von Schnecken" von 1925 ist einer der schönsten Beispiele für diese Verflechtung.

Nachbildung der Bibliothek Mirós

Miró, sagt Kuratorin Marion Ackermann, "hat Literatur verschlungen". Ein Teil seiner Bibliothek lädt als Nachbildung zum Aufenthalt ein. Miró schrieb sogar selbst Gedichte. Und er inspirierte mit seiner Malerei André Breton, den Übervater der Surrealisten, zu poetischen Texten. Von seinen 250 Künstlerbüchern sind einige der schönsten zu sehen. An den Holzschnitten für den 1958 erschienenen Band "A toute épreuve" mit Gedichten von Paul Eluard arbeitete er elf Jahre lang.

Miró reagierte seismografisch auf seine Zeit. Während der Franco-Diktatur verdunkelte sich seine sonst so heitere Palette. Und zu Zeiten der Studentenrevolte 1968 wird die Bildsprache ruppig. Da malt dieser zartbesaitete Künstler sogar mit den Fäusten schwarze Fratzen. Die aus Wut über die geistlose Kommerzialisierung der Kunst 1973 entstandenen "Toiles brûlées", die tatsächlich verbrannten Leinwände, fehlen freilich. Sie hätten auch kaum zum poetischen Zauber der so üppig ausgebreiteten visuellen Traumsphären gepasst.

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