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Windräder an A 40

Kunstwerk steht still, weil eine Versicherung es so will

DORTMUND Das Kunstwerk "Offroad" neben der A 40 ist die größte Attraktion der Ausstellung "Die Schönheit der großen Straße". Aber die sieben Windräder an der Abfahrt Dortmund-Barop stehen seit sechs Wochen still. Der Grund: Das Kunstwerk - eigentlich gemacht, um sich zu drehen - ist nur versichert, solange es sich eben nicht dreht.

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Hier lacht der Künster noch. Aber eigentlich ist Pablo Wendel ziemlich frustriert.

Die Windräder der Installation "Offroad" stehen seit sechs Wochen still. Egentlich sollten sie "Kunststrom" produzieren.

"Ein Kunstwerk, das Strom produziert, ist nach Meinung der Versicherung ein Kraftwerk", sagt der Stuttgarter Pablo Wendel, Geschäftsführer der Künstlergruppe "Performance Electrics". Erstaunlich ruhig berichtet der 33-Jährige über die Posse. "Am Anfang habe ich mich aufgeregt, da bin ich inzwischen drüber weg." Erbost fragt er trotzdem: "Wie kann das sein, dass eine Versicherung entscheidet, was Kunst ist?"Versicherungssumme viel zu hoch

Die Urbanen Künste Ruhr, die die Ausstellung organisiert haben, bestätigen seine Aussagen. Tatsächlich sei die Anlage nur im Ruhezustand versichert. Drehen sich die Räder, handele es sich nach Meinung der Versicherung um eine Windkraftanlage, vergleichbar mit riesigen Offshore-Parks. "Dann wäre die Versicherungssumme wesentlich höher. Das können wir nicht bezahlen", sagt Virgilio Pelayo, Sprecher der Urbanen Künste. Den Namen der Versicherung möchte er nicht nennen. "Wir arbeiten gemeinsam mit dem Kurator Markus Ambach unter Hochdruck daran, einen anderen Versicherer zu finden". Auch die RWE-Stiftung, die das Projekt unterstützt, kann nicht helfen. "Wir sind nicht die Inhaber, konnten es also nicht in unsere Versicherungen mit aufnehmen", bedauert Daniela Berglehn von der Stiftung.

Schönheit der großen Straße

Der Heißener Hof in Mülheim hat zur A40-Ausstellung eine spezielle Fleischwurst produziert.
"Eichbaumgold" heißt dieses Gebäude am U-Bahnhof Eichbaum in Mülheim, das schon für die A40-Schau im Jahr 2010 entstanden war. Es ist zu den Öffnungszeiten der Ausstellung zu besichtigen.
Markierungen auf dem Boden weisen den Weg zu den Kunstwerken.
Die Schwestern Christine und Irene Hohenbüchler haben an der Autobhn in Mülheim-Heißen Taubenhäuser und -ställe aufgestellt. Die Künstlerinnen stammen aus Österreich.
"Flieg, Vogel flieg" heißt das Kunstwerk und reflektiert das Thema Gefangenschaft und Freiheit.
Die schönen Ziertauben stammen von einem Züchter aus Münster.
Ebenfalls an der Abfahrt Mülheim-Heißen steht das halbierte Zirkuszelt des Künstlers Volker Lang. Hier werden Aufführungen stattfinden.
Ausgesprochen witzig sind die dicken Matten, mit denen Leni Hoffmann in ihrem Werk "Klitschko W Klitschko V" einen Sitzplatz unter einer Fußgängerbrücke in Essen-Frillendorf verschönert hat.
In Essen-Frillendorf hat der Künstler Manuel Franke einem bestehenden Haus eine irritierende Fassade vorgehängt. Die Arbeit heißt "Fixstern".
Die gelbe Wand vor dem Haus ist weithin zu sehen.
Irritierende Eingriffe in den Stadtraum sind die Personen aus Blech, die Jakob Kolding überall an der A 40 in Essen-Frillendorf augestellt hat.
Das "Tor des Westens" der Gruppe Kunstrepublik steht am Dückerweg.
Kurator Markus Ambach erläuterte das Kunstwerk - hier umringt von den Künstlern.
Das Museum Berggate 69 - das ist zugleich die Adresse in Bochum - erinnert an die Fluxus-Galerie von Inge Baecker, die von 1971 bis 1975 an dieser Stelle existierte. Sehr sehenswert!
Die Autobahnkirche in Bochum-Hamme zeigt eine Fotoserie, die Judith Pappe wiederum von Autobahnkirchen in ganz Deutschland gemacht hat.
Das ist Kunst in Dortmund-Schönau unter der Schnettkerbrücke. Die beiden Litfaßsäulen von John Miller zeigen Sehnsuchtsbider, die Arbeit heißt "A False Mirror".
35 Meter lang ist die Arbeit "Polytopos" von Christian Odzuck. Eine große künstlerische Geste, zu sehen unter der gewaltigen Schnettkerbrücke.
Der Künstler Christian Odzuck kommt aus Düsseldorf,
Schilder wie hier über dem Schnettkertal weisen den Weg zu den Kunstwerken. Leider waren viele schon vor der Ausstellungseröffnung beschmiert.
Über den Weg neben der Schnettkerbrücke erreichen die Kunstfreunde die Windkraftanlage der Künstlergruppe "Performance Electrics".
Der Künstler Michael Sieber aus Kassel montierte das Kunstwerk in Dortmund-Barop. Die Masten sind acht Meter hoch.
Kurator Markus Ambach im Gespräch mit dem Künstler Pablo Wendel.
Die spektakuläre Anlage, die tatsächlich Kunststrom produziert, ist ein Symbol der ganzen Schau.

Eineinhalb Jahre Arbeit stecken in der Anlage, seufzt Wendel. "Offroad" stelle kein Risiko dar, betont der Künstler. Die Windräder bremsen mit eigener Energie herunter, sobald der Wind zu stark wird. Ein Prüfstatiker hat das Ganze abgenommen. Die originellen Flügel waren im Windkanal bei Orkanstärke getestet worden. Sogar den Pfingststurm Ela hatte "Offroad" gut überstanden. Der Clou des Kunstwerks: Es besteht aus Resten von Autobahnen - Pfosten, Warnhütchen, Vorfahrtschildern. Jedes Windrad produziert 2,5 Kilowattstunden - genug, um einen Ein-Personen-Haushalt mit Strom zu versorgen.

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Hier lacht der Künster noch. Aber eigentlich ist Pablo Wendel ziemlich frustriert.

Die Windräder der Installation "Offroad" stehen seit sechs Wochen still. Egentlich sollten sie "Kunststrom" produzieren.

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