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"Leila und Madschnun" eröffnete Festival

Ruhrtriennale

BOCHUM. Hierzulande hat man ja tatsächlich zuerst Bilder wie dieses im Kopf, wenn vom islamischen Kulturkreis die Rede ist: Eine zerbombter Tanklaster in der endlosen Wüste. Willy Decker hat es zum Schauplatz seiner Ruhrtriennale-Eröffnungsinszenierung "Leila und Madschnun" gemacht.

von Von Max Florian Kühlem

, 22.08.2010
"Leila und Madschnun" eröffnete Festival

Nadine Schwitter spielt die Hauptrolle der Leila in Willy Deckers »Leila und Madschnun«-Inszenierung.

Das Publikum in der ausverkauften Bochumer Jahrhunderthalle befindet sich so erst einmal im Kriegszustand. Wie im Multiplex-Kino knallt es ohrenbetäubend und blitzt grell. Die Wucht dieser technischen Bilder erreichen später weder die opulent choreografierten Massenszenen noch die wüsten Orchester-Salven. Viele Anstrengungen des gewaltigen Sprech- und Musiktheaterapparats laufen ins Leere, weil weder Text noch Musik sie sinnvoll unterfüttern können. Die Zuschauer sprechen nach zurückhaltenden Applaus von Langeweile.Verkopfter Text von Ostermaier

Das Problem: Albert Ostermaier hat für die Auftragsproduktion einen verkopften Text geschrieben, der zu angestrengt zwei Thesen umkreist: 1. Madschnuns Liebe zu Leila, von der er ein Leben lang getrennt bleibt, wird transzendent, eine heilige Liebe zum Göttlichen. 2. Wer liebt, tötet nicht. Letztere Annahme führt zu einer Rahmenhandlung, die in den heutigen Kriegen der arabischen Welt angesiedelt ist. Ein Soldat träumt sich in die Welt des großen Liebes-Epos, das dort so bekannt ist wie hier "Romeo und Julia". Zu einer beeindruckenden Szene kommt es, wenn er Leila imaginiert, die von der jungen Nadine Schwitter gespielt wird. Wenn sie sagt "Ich atme" und die ganze Luft in der riesigen Halle unter ihrer tiefen inneren Trauer zu erzittern scheint, berührt das mehr, als alle krawalligen Ensemble-Szenen zusammen.Weniger wäre mehr gewesen Musikalisch ist es vor allem dem brillanten Sänger Hagen Matzeit zu verdanken, dass Samir Odeh-Tamimis Komposition nicht zur völligen Nebensache gerät. Mühelos wechselt er zwischen Counter-Tenor und Bariton, absolviert schwierige arabischen Skalen. Wahrscheinlich hätte es viel weniger bedurft, um dieser Geschichte einer die Grenzen der Realität sprengenden Liebe auf die westliche Bühne zu bringen.Termine: 24./26./28./30.8., 1./3.9.; Karten: 0700 / 20 02 34 56.  

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