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Lektion in Vaterliebe: Buch über Erik und Willi Kothny

KAMEN Die tollsten Geschichten schreibt immer noch das Leben. Zum Beispiel die eines Mannes, der eine Tänzerin aus Thailand heiratet. Die Ehe zerbricht. Doch sein Glück findet er in der Erziehung der zwei thailändischen Adoptivsöhne, von denen der eine schließlich zwei Bronzemedaillen im Säbelfechten bei den Olympischen Spielen des Jahres 2000 gewinnt.

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Autor Heinrich Peuckmann

Vater und Sohn: Erik Kothny und sein Adoptivsohn, der Säbelfechter Wiradech "Willi" Kothny.

Der Kamener Autor Heinrich Peuckmann hat die Geschichte aufgeschrieben - mit einigen dichterischen Freiheiten, versteht sich. "Der Sohn der Tänzerin" heißt sein neuer Roman. Die Handlung aber ist wirklich passiert: Es ist die Geschichte von Erik Kothny, dessen Sohn Wiradech "Willi" Kothny und dessen Adoptivbruder Somkhit Phongyoo.Spannender Olympiakampf

Anno 2000 hatte Peuckmann einen Fernsehbericht über den Erfolg der Familie gesehen. Neugierig geworden auf einen deutschen Vater mit zwei thailändischen Kindern, traf er sich mit Erik Kothny in Koblenz. "Das ist ein eigenwilliger, knorriger Kerl", erzählt Peuckmann. "Er steht zu seiner Geschichte. Und er hat mir beim Schreibprozess sehr geholfen."

Denn Peuckmann wollte die Erinnerungen des Vaters in die spannende Schilderung des Olympiakampfes einbetten. Für die Fachbegriffe brauchte er Unterstützung. "Lieber Herr Peuckmann, wenn Sie das so stehen lassen, halten uns alle für Dilettanten", schrieb Kothny, als er das erste Manuskript zurückschicke. Andere Details dagegen wollte der Schriftsteller gar nicht so genau wissen. "Man braucht beim Schreiben auch Spielraum für die Phantasie", sagt er.

Kind mit Hungerbauch

Im Roman ist es ein Journalist namens Götz, der sich auf einer Thailand-Reise in die Tänzerin Ning verliebt. Als er sie aus ihrem Dorf abholt, läuft ein halb verhungertes Kind dem Auto hinterher. Erst da gesteht Ning, dass sie einen Sohn hat. Roy hat einen aufgeblähten Bauch, verfaulte Zähne und kann nicht sprechen. Götz holt den Jungen nach Deutschland und adoptiert ihn - ebenso wie später den Cousin des Kindes. Doch Ning ist spielsüchtig, die Ehe scheitert. Plötzlich steht der Vater mit zwei Kindern alleine da.

Götz und seine Jungen haben gegen Vorurteile zu kämpfen. Zuerst sieht der Vater im Sport nur die Möglichkeit zur Integration. Doch weil das Talent der Kinder so groß ist, fördert er selbstlos ihre Karriere.

Ihn habe die Situation eines allein erziehenden Vater interessiert, erzählt Peuckmann - in einer Zeit, in der Männer nur eine kleine Rolle im Erziehungsprozess zu spielen scheinen. So gelingt ihm eine tief bewegende Geschichte über die Kraft eines Vaters. Aber auch das Porträt eines Menschen, der ein ungewöhnliches Schicksal und eine große Verantwortung mutig annimmt.

"Mir hat imponiert, dass dieser Vater nicht klammert", betont Peuckmann. Außerdem habe Erik Kothny, der inzwischen wieder verheiratet ist und eine kleine Tochter hat, darauf geachtet, dass die Verbindung nach Thailand nie abreißt. So entscheidet sich im Roman der eine Sohn dafür, das Säbelfechten aufzugeben und in die ursprüngliche Heimat umzuziehen, während der andere den sportlichen Weg weitergeht.

Fechter mit Welterfolg

Und im wirklichen Leben? Wiradech Kothny ist inzwischen selbst Vater und ein Säbelfechter mit Welterfolg. "Willi hilft" heißt seine Aktion für Tsunami-Opfer. Seit 2002 startet der Sportler für Thailand, sein Adoptivbruder trainiert ihn. Und gerade ist die Familie nach Peking geflogen - hoffentlich auf Medaillenkurs.

Heinrich Peuckmann: "Der Sohn der Tänzerin", Brockmeyer Verlag, 14,90 Euro.

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