Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Leonid Lewin ist zu Gast in Dortmund

DORTMUND "Der Krieg hat mir die Mutter genommen, hat mir die Familie genommen. Warum soll ich schweigen?" fragt Leonid Lewin. Sein Lebenswerk ist denn auch ein Aufschrei gegen den Krieg und gegen den Nationalsozialismus.

von Von Bettina Jäger

, 28.08.2008
Leonid Lewin ist zu Gast in Dortmund

Leonid Lewin schuf viele bewegende Denkmäler. Gemeinsam mit Astrid Sahm stellt er das Buch über seine Arbeit vor.

Der Künstler und Architekt ist derzeit zu Gast beim Internationalen Bildungs- und Begegnungswerk Dortmund (IBB). Lewin ist eine Berühmtheit. Aber auch ein nachdenklicher, ruhiger, beeindruckender Mann.

Der 72-jährige Lewin hat in seiner Heimat Belarus (Weißrussland) mehr als 20 bewegende Erinnerungsstätten an die Gräuel des Zweiten Weltkrieges entworfen. Die bekanntete ist die für das Massaker von Chatyn - ein Dorf, das 1943 von der SS vernichtet und abgebrannt wurde. Die Nazi-Schergen ermordeten 145 Menschen. Nur ein Schmied und drei Kinder überlebten.Lewin entwarf Gedenkstätten an die NS-Opfer

Leonid Lewin schuf 1969 die berührende Skulptur dieses einen Mannes, der seinen toten Sohn aus der Scheune trägt. Er ließ außerdem an jeden der stehen gebliebenen Schornsteine eine Totenglocke hängen, die nun alle 30 Sekunden läutet.

Im Jahr 2000 entwarf Lewin für die einstige Erschießungsgrube des Ghettos in Minsk eine Reihe ausgemergelter Gestalten, die ihren letzten Weg die Stufen hinab antreten."Die Werke erinnern an die zivilen Opfer, an das Leiden der Menschen", erklärt Astrid Sahm. Sie hat für das IBB ein Buch über Lewin geschrieben, das die beiden gestern vorstellen. "Eine Botschaft für die Zukunft" sei seine Kunst, sagt Lewin. "Sie werden in keinem meiner Werke einen Aufruf zur Aggression finden."

Traurig wirkt Lewin, als er von Neonazi-Aufmärschen hört. "Wir alle haben zwei Alternativen", sagt er. "Entweder zu widerstehen, jeder nach seinen Kräften, oder nach Hause zu gehen und Tee zu trinken."

Leonid Lewin kommt am Samstag (30.8.) zum IBB-Studientag mit dem Thema "Brücken einer gemeinsamen Erinnerungskultur". Erwartet werden 24 Zeitzeugen.

  • Die Teilnahme ist kostenlos, 10 bis 19 Uhr, Reinoldinum Dortmund, Schwanenwall 34. Anmeldung unter Tel. (0231) 952096-0. Unter der Nummer kann auch das Buch für fünf Euro bestellt werden.