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Schauspielhaus Bochum

Liese Nielebock inszeniert nüchtern „Die Orestie“

BOCHUM Großes Schauspielertheater hat Olaf Kröck für seine Intendanz in Bochum versprochen. Regisseurin Lisa Nielebock löst es mit „Die Orestie“ ein.

Liese Nielebock inszeniert nüchtern „Die Orestie“

Klytaimestra (Anke Zillich) und ihr Geliebter (Marco Massafra) Foto: Hupfeld

Seit sie in Bochum 2005 für Kleists „Penthesileia“ gefeiert wurde, hat Lisa Nielebock konsequent ihren nüchternen Regiestil der glasklaren Setzungen verfolgt. So verfrachtet sie die Figuren von Aischylos’ „Orestie“ auf der Kammerbühne des Schauspielhauses Bochum in eine Art Zeugenstand, in dem sie Auskunft über den Fluch des Hauses Atreus geben. Der Horror des nicht enden wollenden Blutvergießens vermittelt sich so rein sprachlich und gestisch.

Kriegsbeute Kassandra

Rund zwei Drittel der knapp zweistündigen Inszenierung sitzen oder stehen alle acht Darsteller auf der Vorderbühne vor einem Holzgestänge, das sich bis zur Decke erstreckt (Bühne: Oliver Helf). Da man nicht weiß, auf welcher Seite des Gitters sie sich befinden, könnten sie zugleich Gefangene und Beobachter ihres Prozesses sein.

Das Unheil, von dem sie berichten, nimmt seinen Lauf, als König Agamemnon aus dem Trojanischen Krieg zurückkehrt. Siegreich war er dort zwar, aber Werner Wölbern verleiht seiner Figur etwas deutlich Geschwächtes, Gebrochenes, Schicksalergebenes.

Als Kriegsbeute hat er die Seherin Kassandra im Schlepptau. Seine Frau Klytaimestra, die Anke Zillich eigentlich überlegen, kühl und berechnend gibt, nennt sie in einem seltenen Ausbruch des Hasses und der Verzweiflung „Leckerbissen für sein Bett“.

Auch Therese Dörrs Kassandra wacht nur einmal wirklich aus ihrem schlafwandlerischen Fatalismus auf und warnt die anderen: Aus diesem Haus gibt es kein Entkommen.

Akzente aus Licht und Ton

Die Rachemorde (Klytaimestra ermordet Agamemnon und Sohn Orest dafür später sie und ihren Geliebten Aigisthos) kennzeichnet Lisa Nielebock nur durch kurze Akzente aus Licht und Ton. Was sie interessiert, ist die Verhandlung des Geschehenen.

So steht die Gerichtsverhandlung nicht erst am Ende der antiken Trilogie, wie Aischylos sie hinterlassen hat. Das komplette Geschehen lässt sich als Tribunal lesen. Und wenn es manchmal angestrengt, spröde, schlicht und trocken inszeniert wirkt, dann fordert es bloß wie ein ausführliches Gerichtsverfahren, das die Wahrheit immer nur durch Annäherung und geduldiges Anhören aller Beteiligten erreichen kann.

So wirkt die Inszenierung selbst wie ein Plädoyer für geordnete, bürgerliche Rechtssprechung, die aus dem Geist des Mythos entsteht. Die Richterin ist zwar noch eine Göttin, aber sie macht die Menschen mit ihrem unentschiedenen Urteil zu Herren des eigenen Schicksals.

Termine: 24./29.11., 12./16./21.12.; Karten: Tel. (0234)33335555.

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