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„Love, Simon“ ist eine Teenager-Operette mit Herz und Schwung

Im Kino

„Love, Simon“ ist eine Teenager-Operette mit Herz und Schwung.

Dortmund

von Kai-Uwe Brinkmann

, 28.06.2018
„Love, Simon“ ist eine Teenager-Operette mit Herz und Schwung

Traute Familie (v.l.): Simon (Nick Robinson), die Schwester (Talitha Eliana Bateman), Mom (Jennifer Garner) und der Papa (Josh Duhamel) © Twentieth Century Fox

„Ich habe eine nette Familie, ich habe ein durchschnittliches Leben. Ich bin wie Du völlig normal. Nur dass ich ein riesiges Geheimnis habe.“

„Ich bin schwul“

Der nächste Satz will dem 17-jährigen Simon einfach nicht über die Lippen, beziehungsweise über die Tastatur seines Rechners. Er schreibt nämlich eine Nachricht an einen unbekannten Seelenverwandten, der sich im Chat „Blue“ nennt und ein Mitschüler Simons ist. Und dieser Satz heißt „Ich bin schwul“.

„Love, Simon“ steht für den seltenen Fall einer Teenager-Operette mit homosexueller Hauptfigur, für eine familienfreundliche Mainstream-Komödie, die zwar die Seifenoper streift, dabei aber hoch sympathisch ausfällt.

Locker und unverkrampft

Tatsächlich soll es sich um die erste Produktion eines Hollywood-Studios mit schwulem Teen-Helden handeln. Was wir einfach mal glauben, da uns kein anderer Film in den Sinn kommt, der sich so locker, selbstverständlich und unverkrampft mit seinem jungen Hauptakteur und dessen sexueller Orientierung identifiziert.

Ob es daran liegt, dass Regisseur Greg Berlanti schwul ist? Egal, es spielt keine Rolle. Was zählt, ist die Frische der Inszenierung, der warmherzige Ton, die anrührend, aber nie weinerlich geschilderte Seelenpein eines jungen Burschen auf der Suche nach seinem wahren Ich.

Gute filmische Einfälle

Greg Berlanti hat einen Roman von Becky Albertally adaptiert und um nette filmtypische Einfälle bereichert. Etwa die Idee, den Chat zwischen Simon und seinem anonymen Freund als Off-Kommentar zu sprechen.

Lustig auch der Clou, Simons Gedanken als bebilderte Tagträume in die Erzählung aufzunehmen. Warum muss Heterosexualität die Regel sein? Was, wenn die Heteros peinliche Geständnisse machten: Mama, setz Dich, ich muss Dir etwas sagen. Ich bin heterosexuell! Oh Gott, Kind! Neiiin!

Feinster Zucker-Pop

Als Trumpf wirken auch die Darsteller. Nick Robinson spielt Simon, Jennifer Garner seine Mutter. Als Simons Freunde und Mitschüler sieht man junge, unverbrauchte Gesichter.

Eingebettet ist die (unaufdringliche) Toleranz-Botschaft in allerfeinsten Zucker-Pop, der genauso gute Laune macht wie Simons Suche nach dem mysteriösen Wunschfreund. Sehr schön.

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