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"Me too": Pablo Pineda hat ein Chromosom zu viel - aber er fühlt sich als richtiger Mann

Im Kino

Der Film "Me Too - Wer will schon normal sein?" hat eine klare Botschaft, und er fackelt nicht lange damit, sie mitzuteilen. "Gesellschaften, die Minderheiten ausgrenzen", sagt ein Redner, "sind verstümmelte Gesellschaften." Beifall und uneingeschränkte Zustimmung des Publikums im Hörsaal sind ihm sicher. Die Konsequenzen, die man aus seinem Vortrag ziehen müsste, sind es nicht.

von Von Klaus-Peter Heß

, 08.08.2010
"Me too": Pablo Pineda hat ein Chromosom  zu viel - aber er fühlt sich als richtiger Mann

Daniel (Pablo Pineda) träumt von ganz normalen Dingen.

Dabei wäre es ihm zu wünschen, denn Daniel, der Redner, gehört zu einer dieser Minderheiten. Er ist mit dem Down-Syndrom gehandicapt und bildet doch eine große Ausnahme innerhalb der Gruppe von Menschen, die ein Chromosom zu viel besitzen. Daniel wird gespielt von Pablo Pineda, jenem Spanier, der tatsächlich als erster Europäer mit Down-Syndrom einen Universitätsabschluss erlangt hat. Das Regie- und Drehbuchpaar Álvaro Pastor und Antonio Naharro erzählt in seinem Film auch etwas von Pinedas Leben. Mit Humor und einer gehörigen Portion Selbstironie - das fällt angenehm auf. Unangenehm wird es aber auch dann nicht, wenn die Geschichte die tragischen und peinlichen Aspekte eines Außenseiterlebens schildert. Denn integriert ist Daniel trotz Bildung und Ausbildung noch lange nicht. Er nimmt eine Büroarbeit an und verliebt sich in die Kollegin Laura (Lola Dueñas).

Das zentrale Thema des Films ist der Sex. Er wird zum wichtigsten Prüfstein bei der Frage von Solidarität und Integration. Daniel denkt häufig nur an das Eine. Doch das bekommt er noch nicht einmal im Bordell. "Ich bin ein Mann, ein richtiger Mann", schreit er. Und als "richtiger" Mann will er eine "richtige" Frau. Eine wie Laura und keine mit Down-Syndrom. Und dann fragt man sich, ob er dafür wohl auch die uneingeschränkte Zustimmung des Publikums bekommen wird.