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Ausstellung in Oberhausen

Medienkritik durch verzerrte Ölgemälde

OBERHAUSEN. Es ist die spezielle Mischung aus subtiler Erotik und düsterer Beklemmung, die die Ölgemälde Andy Denzlers ausmachen. "Ich möchte keine netten Bilder malen", sagt der Schweizer über seine Werke. Jetzt werden sie in der Oberhausener Ludwiggalerie ausgestellt - und verbergen Kritik für neue Medien in sich.

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Andy Denzler nahm sich Caravaggios „Incredulità di san Tommaso“ (dt. Die Ungläubigkeit des heiligen Thomas) als Vorbild für sein eigenes Gemälde.

Eine gewisse erotische Komponente ist in vielen Gemälden des Schweizers Andy Denzler zu erkennen.

Es ist die spezielle Mischung aus subtiler Erotik und düsterer Beklemmung, die die Ölgemälde Andy Denzlers ausmachen. "Ich möchte keine netten Bilder malen", sagt der Schweizer über seine Werke. Vielleicht ist es dieser Aspekt, der den Oberhausener Kunstverein so neugierig machte, dass er nicht anders konnte, als Denzlers Gemälde zusammen mit der Ludwiggalerie in deren Panorama-Galerie auszustellen.

Halbnackte Damen

"Dunkel, aber verführerisch", nennt Denzler seine Gemälde, die unter dem Titel "Figures & Interiors" ausgestellt sind. Verführerisch sind einerseits die halbnackten Damen, die der 49-Jährige auf vielen seiner Bilder so in Szene setzt, wie er sie zuvor für seine Vorlage fotografierte. Eine dunkle Komponente bringt er zudem mit den abgebildeten Räumen ins Spiel, die sich zwischen verlassener Gruselvilla und schmuddeligem Wohnzimmer bewegen. Den letzten und entscheidenden Hieb versetzt Denzler seinen noch nassen Gemälden am Ende mit einem Spachtel, der für die Verzerrung der Bilder sorgt. Es entsteht der Effekt eines defekten Fernsehers.

Inspiration aus neuen Medien

Die Inspiration für diese Kunstform nimmt der Schweizer aus den neuen Medien. Deren "Hochglanzästhetik", wie Denzler sagt, wolle er mit seiner Kunst einen Kontrapunkt setzen. "In der medialen Welt wird uns eine künstliche Realität vorgegaukelt", sagt Denzler, der mit seiner, wie er selbst sagt, "nicht einfachen Kunst", eine vielleicht ehrlichere Realität schaffen will. Eine gewisse Kritik an den neuen Medien kann der Schweizer jedenfalls nicht leugnen.

Bild setzt sich zusammen

Eine besondere Wirkung entfalten die Gemälde des gebürtigen Zürichers, wenn sie aus der Nähe betrachtet werden. Erst völlig abstrakt, setzt sich das Bild zu einem klaren Gesamtkunstwerk zusammen, sobald sich der Betrachter vom Gemälde zurückbewegt. In jedem Fall eine Kunstform, die den Betrachter aufgrund ihrer Besonderheit in einen Bann zieht.

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Andy Denzler nahm sich Caravaggios „Incredulità di san Tommaso“ (dt. Die Ungläubigkeit des heiligen Thomas) als Vorbild für sein eigenes Gemälde.

Eine gewisse erotische Komponente ist in vielen Gemälden des Schweizers Andy Denzler zu erkennen.

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