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Meister aller Abstrakten

KÖLN Nanu, wie kommt das Museum Ludwig, das nur ein Bild von Piet Mondrian sein eigen nennt, plötzlich an eine umfassende Kollektion des berühmten Niederländers? Mit einem geschickten Schachzug.

von Von Bend Aulich

, 14.12.2007

 

Der Kölner Museumsdirektor Kasper König hat die Kölner Picasso-Sammlung, immerhin die drittgrößte weltweit, für ein Vierteljahr gegen den erstaunlich geschlossenen Mondrian-Besitz des Gemeentemuseums in Den Haag getauscht. Mondrian, der Meister einer bestechend klaren geometrischen Abstraktion, und Picasso haben in ihrer kubistischen Phase zu Beginn der Moderne einen gemeinsamen Weg beschritten. Später reduzierte der Niederländer seine Bildsprache in radikaler Konzentration, Picasso bereicherte sie ein ums andere Mal.

Mondrians Weg "vom Abbild zum Bild" schlüssig präsentiert

Verblüffend schlüssig lässt sich in der Kölner Werkschau Mondrians weiter Weg von der Landschaftsmalerei im Gepräge der Haager Schule bis zum abstrakten Bild verfolgen. Es gibt keine äußere Realität mehr wieder, sondern steht nur für sich selbst.

Darauf weist schon der Titel "Vom Abbild zum Bild" hin. Dieser Weg reicht über Mondrians Flirt mit dem Pointillismus und der entscheidenden Begegnung mit der kubistischen Auflösung alles Räumlichen bis zu den berühmten Feldern aus Liniengerüsten und Quadraten und Rechtecken in schlichtem, kargen Weiß und den dominanten Komplementärfarben Blau, Rot und Gelb. Diese prägnanten Konstruktionen verraten eine ausgeprägte Musikalität in ihrem rhythmischen Gespür und ihrer raffiniert ausbalancierten Komposition.

Schon früh ein Gespür für Strukturen

Ausgespart sind in Köln die konventionellen Anfänge. Die früheste Arbeit datiert von 1901. Die Kreidezeichnung "Obstgarten" belegt schon ein ausgeprägtes Gespür für Strukturen. Schwerblütig wirken die frühen Landschaften in ihren erdenschweren Farben. Aber schon die berühmte "Rote Wolke" von 1907 deutet an, wohin in der Auseinandersetzung mit der Farbe die Reise geht.

Als "Neoplastizismus" bezeichnete Mondrian die in den 20-er Jahren in Paris entstandenen Kompositionen, mit denen er berühmt wurde. Was das bedeutet, lässt sich an seinem eigens für diese Ausstellung nachgebauten Pariser Atelier ablesen, das er von 1921 bis zu seiner Emigration 1938 bewohnte. Es ist wie ein Bild von Mondrian ausgemalt. Dieser Künstler lebte nicht nur für seine Malerei, er lebte mit ihr und in ihr.

Beschwingte Virtuosität vor dem Tod

Welch beschwingte Virtuosität er vor seinem Tod 1944 in den USA erreichte, beweist sein vor neun Jahren für 80 Millionen Gulden erworbenes letztes Bild "Victory Boogie Woogie". Doch das ist in Köln nicht zu sehen. Es darf nie ausgeliehen werden.

Museum Ludwig Köln: "Piet Mondrian - Vom Abbild zum Bild", Bischofsgartenstr. 1 (am Hbf.), bis 30.3.08, Di-So 10-18, 1. Freitag im Monat bis 22 Uhr.