Pausengespräch

MiR-Intendant schaut gern hinter die Bühne

GELSENKIRCHEN Mittendrin im Geschehen, hinter den Kulissen oder alleine in seinem Büro: Michael Schulz, Generalintendant des Gelsenkirchener Musiktheaters im Revier (MiR) verbringt die Pausen ganz unterschiedlich. Je nachdem, ob er in seiner Rolle als Intendant auftritt oder als Regisseur großer Opern.

MiR-Intendant schaut gern hinter die Bühne

>Michael Schulz im Foyer des Musiktheaters im Revier. Als Intendant empfängt er dort oft Gäste.

Bei Premieren zeigt Michael Schulz sich in der Pause im Foyer, ist er in seiner Funktion Intendant unterwegs. Er spricht mit den Gästen, empfängt Persönlichkeiten aus der Kultur und Politik. Er werden Hände geschüttelt, Meinungen ausgetauscht. Kommunikation steht im Vordergrund.Meidet Pausen als Regisseur

Ganz anders sieht das aus, wenn ein Stück, das Schulz selbst inszeniert hat, im eigenen Haus Premiere feiert. Dann zieht der Mann mit den braun gelockten Haaren sich in sein Büro zurück. In der Pause zeigt er sich den Gästen nicht, aus gutem Grund, wie er erklärt: "Ich möchte niemanden in eine unangenehme Situation bringen, falls ihm die Aufführung nicht gefällt." Auf diese Weise käme niemand in die Verlegenheit, sich kritisch vor dem Regisseur zu äußern.

"Meditativer Bereich"

Doch nicht immer geht es so still zu. Oft gibt es Schockmomente, etwas zu lachen - oder beides gleichzeitig. Etwa bei einer Aufführung von Verdis "Nabucco".Missgeschick mit Krone Während einer besonders dramatischen Stelle gibt es einen Streit um eine Krone. Dabei handelte es sich um einen extra designten Kopfschmuck, also keine klassische Krone. Der Sänger der Titelrolle stand als Einspringer für die eigentliche Besetzung auf der Bühne und hatte noch nie mit der speziellen Krone geprobt. Michael Schulz erinnert sich: "Er setzte sich die Krone prompt falschrum auf - und sah aus wie eine Stehlampe." Ab der Sekunde sei auf der Bühne nicht mehr an singen zu denken gewesen. Schallendes Gelächter. "Da blieb uns nichts anderes übrig, als abzuwarten. Diese Sekunden kommen einem wie Stunden vor."

Gastregie in Salzburg

Über Umwege zur Oper

Den Weg in die Opern-Welt führte Schulz über Umwege. "Eine theatralische Ader habe ich schon immer gehabt", sagt er und lächelt. Als Kind wollte er katholischer Priester werden. "Ich habe aber schnell gemerkt, dass mich eher die Inszenierung und die Perfektion des Rituals interessieren, als der religiöse Hintergrund." Danach stand Lehrer auf Platz eins der Liste der Wunschberufe. Da schaffe man sich schließlich auch eine Art Bühne.

Erst später wurde Michael Schulz klar: Sein absoluter Traumberuf ist Schauspieler. 

Über Umwege sei er dann zur Regie gekommen, studierte das Fach an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. "Wenn das nicht geklappt hätte, wäre ich heute wahrscheinlich arbeitsloser Sozialpädagoge", wagt der Regisseur einen nicht ganz ernst gemeinten Blick in einen anderen Lebensweg.Lieblingsjob

Welchen seiner Jobs er lieber mag, Intendanz oder Regie, diese Wahl fällt Schulz schwer. "Wenn ich mich für einen entscheiden müsste, würde ich wahrscheinlich wieder etwas ganz anderes wählen. Eine Möglichkeit C." Und auch diese hätte wohl wieder etwas mit dem Tempel hinter der Bühne zu tun.

Am 28.9. feiert Schulz´ Inszenierung der Oper "Die Frau ohne Schatten" im MiR Premiere. Karten ab 18.8.: Tel. (0209) 4 09 72 00.