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Spieleschau im Stadtmuseum

Monopoly im Eigenbau

MÜNSTER Warum heißt das Eisbein eigentlich Eisbein? Schließlich isst man es doch heiß mit Sauerkraut und nicht kalt mit Schlagsahne. Ganz einfach: Die Knochen der Schweinshaxe schnallte man sich früher als Kufen unter die Schlittschuhe. Zu sehen in Münsters Stadtmuseum.

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Prunkstück der Schau: ein selbst gebasteltes Monopoly-Spiel von 1950.

Traumhaft schön: ein Puppenhaus aus der Wirtschaftswunderzeit.

Schon 1870 war Wandmalerei bei den jungen Leuten beliebt.

Die Ausstellungsmacher (v.l.) Barbara Rommé, Ulrich Neseker und Bernd Thier sind Hüpfkästchen-Naturtalente.

Dort zeigt eine spannende Wanderausstellung des LWL-Museumsamtes, was in Westfalen früher gespielt wurde. Von der Puppenstube bis zum Mini-Dampfer ist alles dabei, was Kindern Spaß macht. In der sittenstrengen Stadt Münster war das jahrhundertelang aber wohl nicht allzu viel. Die historischen Spielzeugfunde aus dem Stadtgebiet passen in eine bescheidene Vitrine. Eine rot gestreifte Keramik-Rassel ist immerhin tausend Jahre alt, ein paar mittelalterliche Murmeln haben sich auch erhalten. Das Würfelspiel war in Münster verboten, und eine professionelle Spielzeugproduktion aus haltbaren Materialien gab es nicht.

Um so eindruckvoller sind die Spiele, die Eltern und Großeltern bis ins 20. Jahrhundert hinein selber bastelten. Prunkstück der Ausstellung ist ein selbst gemaltes Monopoly-Spiel von 1950, das den Spieler über die Straßen norddeutscher Städte schickt. Deutschen Monopoly-Fans blieb zu dieser Zeit nur der Eigenbau, denn das Spiel erschien in der Bundesrepublik erst wieder 1953. Die erste offizielle Auflage von 1936 hatte NS-Minister Joseph Goebbels verboten, weil das Spiel nach Nazi-Propaganda als „jüdisch-spekulativ“ galt. Vor allem war Goebbels laut „Wikipedia“ aber wohl verärgert, weil die teuerste Straße der Erstausgabe – „Insel Schwanenwerder“ – seine eigene Berliner Adresse war. Statt sich brav mit Brettspielen zu vergnügen, malen Kinder gern auch die Wände an. Graffiti, von vielen Hausbesitzern als Geißel der Moderne verflucht, ist keine Erfindung unserer Zeit. Als Leihgabe aus dem Stadtmuseum Lippstadt kam der Stich „Ein kleiner Wandmaler“ des Berliner Illustrators Theodor Hosemann von 1870. Ein Junge malt eine für damalige Verhältnisse recht leicht bekleidete und buschig frisierte Dame an die Mauer, neugierig beobachtet von anderen Kindern und einem Mann. Am Fuß der Mauer wurden seltsamerweise zwei Frauenschuhe und eine Flasche Wein zurückgelassen. Hat der Junge ein feuchtfröhliches Stelldichein beobachtet? Auch niedliche Genreszenen können doppelbödig sein. Ansonsten spielten Westfalens Kinder mit Kreiseln und Puppenstuben, flitzten auf selbst gebauten Schlitten und großen Stelzen durch die Gegend. Ein Foto aus den 1960er-Jahren zeigt, wie Münsters Kinder im Sommer in einem Springbrunnen-Becken vor dem Stadthaus am Ludgeriplatz planschen – ein Anblick, den man sich in der gestylten Innenstadt von heute nur noch schwer vorstellen kann.

Aber natürlich spielen Kinder immer noch genauso gern wie früher, und in der Ausstellung im Stadtmuseum dürfen sie das auch. Gleich am Eingang warten Hinkelkästchen auf dem Boden auf kleine Hüpfer. Und ein Renner wird bestimmt die große Kiste mit Kostümen zum Verkleiden. Museumsdirektorin Barbara Rommé zog sofort einen Sonnenhut und eine goldene Krone übereinander und sah aus wie Burgherrin Kriemhild in den Sommerferien. An den Sonntagnachmittagen lädt dann eine Museumspädagogin die Besucher zu Stelzenlauf und anderen Vergnügungen aus alter Zeit ein.

  • Eröffnung an diesem Samstag (2.6.) mit großem Spielprogramm. Salzstraße 28, bis 29. Juni, Di bis Fr 10 - 18, Sa/So 11 - 18 Uhr, Eintritt frei.
  • Ab 10. Juni immer sonntags von 15 - 18 Uhr museumspädagogisches Programm für Kinder ab acht Jahren.
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