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Aalto-Theater Essen

Mozarts "Entführung aus dem Serail" ist völlig entzaubert

ESSEN "Die Entführung aus dem Serail". Bei Jetske Mijnssen (Regie) und Sanne Danz (Bühnenbild) gibt es weder das Eine noch das Andere. Die beiden Niederländerinnen, die vor zwei Jahren in Dortmund Dvoráks "Rusalka" das Märchenhafte missgönnten, haben nun am Aalto Theater Mozarts Singspiel das Exotisch-Bunte und den Zauber ausgetrieben.

Mozarts "Entführung aus dem Serail" ist völlig entzaubert

Bernhard Berchtold (Belmonte), Roman Astakhov (Osmin) und Albrecht Kludszuweit (Pedrillo) trinken in Mozarts »Entführung« mit einem niederländischen Produktionsteam auch gerne mal einen Schluck holländisches Dosenbier.

Selbst von der gewaltsamen Verschleppung zweier Frauen ist bei ihnen nicht mehr die Rede. Die Mozart-Vergewaltigung spaltete bei der Premiere am Sonntag das Publikum. Mozarts "Entführung aus dem Serail" folgt der alla-turca-Mode seiner Zeit. Sie handelt von Orient und Okzident, Alt und Jung, Herr und Diener - teilweise in karikaturhaft überzeichneter Form, dass man herzhaft darüber lachen kann.Jetske Mijnssen hingegen erzählt in neuen Sprechdialogen von zwei heutigen Frauen, die sich beide nicht zwischen zwei Männern entscheiden können. Für die Zuschauer gibt es wenig zu lachen. Da steht eine Partygesellschaft verloren im weißen, abstrakt-geometrischen Bühnenbild herum und konsumiert statt Wein Dosenbier - bei Bedarf mit Rauschgift. Der autoritäre Bassa Selim (Maik Solbach) wird zum feinfühligen Gigolo, der Konstanze umgarnt.Wenig Sinn Dass Osmin triumphieren und Hälse zugeschnürt haben will, macht bei dieser Lesart wenig Sinn. Und von wegen großmütiger Verzicht als Happy End: Bassa fühlt sich bei Mijnssen als verschmähter Liebhaber und gibt Konstanze den Laufpass. Das Schlussensemble "Wer so viel Huld vergessen kann" mutet danach wie Hohn an. Damit ihr Konzept aufgeht, hätte die Regisseurin schon auch die Gesangstexte umschreiben müssen!Es stimmt fast nichts So stimmt eigentlich Nichts in der neuen Essener "Entführung" - bis auf die Musik. Simona Saturova ist eine Konstanze mit leicht ansprechender Höhe, perlenden Koloraturen, Dramatik und berührenden Tönen. Bernhard Berchtold singt Belmonte mit lyrisch strömendem Mozartton. Albrecht Kludszuweit gefällt als Pedrillo. Roman Astakhov bleibt dem Osmin nichts an Schwärze in der Stimme schuldig.Kühle Produktion Christina Clark versprüht als Blondchen als Einzige etwas von der Leichtigkeit und Lebensfreude der Mozart-Figuren. Aalto-Debütant Christoph Poppen am Pult bringt mit den Essener Philharmonikern orchestrale Wärme in die sonst so kühle Produktion.

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