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"Mr. Turner" ist eine Hommage an die Malerei

Im Kino

Er war nicht gerade ein Menschenfreund, auch seine Umgangsformen ließen bisweilen zu wünschen übrig und statt einer klaren Aussprache grummelte und grunzte er nur Zustimmung wie Missachtung aus sich heraus. Ein merkwürdiger Kauz – wahrscheinlich. Ein Malergenie – ganz sicher. Timothy Spall spielt im Film „Mr. Turner – Meister des Lichts“ die Titelfigur, den grobschlächtigen Mann, den feinsinnigen Künstler. Geboren 1775, gestorben 1851.

von Von Klaus-Peter Heß

, 10.11.2014
"Mr. Turner" ist eine Hommage an die Malerei

Timothy Spall spielt Mr. William Turner.

Und er macht ihn uns sympathisch – im Lauf von 150 Minuten. Ein schauspielerisches Meisterwerk, entstanden unter der Regie von Mike Leigh („Vera Drake“), der auf das große Drama verzichtet, aber nicht auf großartige Bilder. Dick Pope malt mit der Kamera. Da wird selbst die Bugwelle eines Segelschiffs für Sekunden zum Gemälde.

Im Zentrum des Porträts stehen die letzten Jahre im Leben des britischen Romantikers und Vorläufers des Impressionismus. Szenen aus dem Atelier, Szenen aus dem Alltagsleben, Szenen aus der Akademie. Und immer wieder diese gewaltigen Landschafts- und Küstenbilder, Wasser, Schiffe, Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge. Licht in allen Schattierungen. Kein Off-Kommentar, keine Einführung in Leben und Werk, keine Daten.

„Mr. Turner“ ist eine wunderbar erhellende Hommage an die Malerei, ein Museumsführer ist dieser Film nicht. Dafür bekommen schon die faselnden zeitgenössischen Deuter und Kritiker ihr Fett weg. Der Film sprengt als Sittenporträt das Korsett des Kostümfilms. Man spürt den Geist jener Jahre, man riecht und schmeckt die Atmosphäre des Übergangs ins Zeitalter der rauchenden Maschinen, die Himmel und Licht verändern. Turner malt zum ersten Mal ein Dampfschiff, kurz darauf eine Ruß speiende Lokomotive. Und erkennt im Anblick des Todes: „Die Sonne ist Gott.“

Psychologisch wird Leigh in seinem Film über die letzten Jahre im Leben von William Turner nicht. Turner ist so, wie er ist. Das ist erstaunlich und sehenswert genug.

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