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Theatertage "Stücke"

Mülheimer Dramatikerpreis geht an österreicher Ewald Palmetshofer

MÜLHEIM. Der Mülheimer Dramatikerpreis 2015 geht an den österreicher Ewald Palmetshofer. Dessen Inszenierung des Stückes "die unverheiratete" vom Wiener Burgtheater wurde bei den Mülheimer Theatertagen "Stücke" frenetisch gefeiert. Das siebenköpfige Frauen-Ensemble stach besonders heraus.

Mülheimer Dramatikerpreis geht an österreicher Ewald Palmetshofer

Ewald Palmetshofer wurde mit dem mit 15.000 Euro dotierten Mülheimer Dramatikerpreis ausgezeichnet.

Mit Bravo-Rufen feierte das Publikum Ewald Palmetshofer "die unverheiratete".  Die fesselnde Inszenierung von Robert Borgmann mit einem großartigen sieben-köpfigen Frauen-Ensemble vom Wiener Burgtheater war die letzte Aufführung bei den Mülheimer Theatertagen "Stücke" am frühen Donnerstagabend.

Für dieses Drei-Generationen-Drama um ungeklärte Schuld gewann der österreichische Dramatiker den mit 15.000 Euro dotierten Mülheimer Dramatikerpreis. Den Publikumspreis erhalten Yael Ronen & Ensemble für "Common Ground" (Maxim Gorki Theater, Berlin). Verliehen werden die Preise in einer Matinee am 28. Juni.

Oma denunziert Wehrmachtssoldaten

Das Gewinnerstück ist eine düstere Familiengeschichte: Die Oma denunziert eine Woche vor Kriegsende einen Wehrmachtssoldaten, der übers Desertieren nachdenkt und hingerichtet wird. Später wandert sie dafür ins Gefängnis. Ihr Verrat wirkt im Leben ihrer Tochter und Enkelin nach.

Davon erzählt Palmetshofer in rhythmischer Kunstsprache aus vielen Perspektiven und verwebt eindrucksvoll die Erinnerungsebenen: Was dachte die Großmutter (virtuos Elisabeth Orth) zu unterschiedlichen Zeiten, was wusste ihre Tochter (überzeugend Christiane von Poelnitz), sagte es aber nicht. Und da ist die Enkelin (grandios Stefanie Reinsperger), die die Wahrheit sucht.

Zeit ist an Kostümen ablesbar

Dann gibt es noch den Chor der Schwestern (Petra Morzé, Sylvie Rohrer, Sabine Haupt, Alexandra Henkel). Furios übernimmt das Quartett die Erzählparts - berichtet, was bei den Prozessen Richter, Beteiligte, Zeugen sagten, spielt Gefängniswärterinnen und Krankenschwestern, die Zeit an ihren Kostümen von Janina Brinkmann ablesbar.

Die vom Regisseur entworfene Bühne ist ein aus Leuchtstoffröhren (unheilvoll flimmernd, grell aufleuchtend, sanft abgedimmt) zusammengesetzter Kasten mit zwei Sitzecken, an der Rampe ein Sessel mit Stehlampe für intime Oma-Enkelin-Gespräche und weiter hinten eine Esstisch-Gruppe, die von der Tochter elektra-mäßig mit einem Beil bearbeitet wird. Mit an Gräbern erinnernden Erdhügel ausgefüllt ist die Spielfläche, die hinten und vorne mit rotem Vorhängen, die sich zum Markieren der Zeitenwechsel heben und senken, abgegrenzt ist.

Familie zerbricht

Aus vielen Splittern setzt sich die Geschichte zusammen, an der die Familie zerbricht. Das Vertrauen schwindet. Die Tochter steht zwischen den Generationen. Die Oma erhängt sich mit 96 Jahren, die Enkelin ist beziehungsunfähig.

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