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„Musicircus“ von John Cage verzaubert Dortmund

Theater Dortmund

800 Mitwirkende haben am Samstag den „Musicircus“ von John Cage zu einem Ereignis gemacht. Das Zuhören war ein Riesenspaß und es gab viele Überraschungen.

07.10.2018
„Musicircus“ von John Cage verzaubert Dortmund

Die Straßenkehrer machten Musik mit Besen. © Anke Sundermeier / Stage Picture

Die Idee ist so einfach wie genial: Mitte der 1960er-Jahre konzipierte der amerikanische Komponist John Cage seinen „Musicircus“, ein Werk, das viele Mitwirkende nach einer Zeitpartitur im öffentlichen Raum gestalten.

Die Aufführung am Samstag bei Sommerwetter in Dortmund war der Startschuss zur „Bürgeroper“ des Theaters. Aber dass der „Musicircus“ so toll werden wird, hat wohl keiner vermutet – vielleicht Regisseurin und Zeitpartitur-Dirigentin Sigune von Osten, die das Werk vier Mal zuvor inszeniert hat.

Finale mit Feuerwerk

Startschuss war um 16 Uhr an der Dortmunder Petrikirche. Von da aus zog der Klang-Zirkus mit mehr als 800 Mitwirken zum Friedensplatz, später durch den Stadtgarten auf den Opernvorplatz und ins Opernhaus. Ein Willkommenskonzert der neuen Opernsänger und ein taktgenau zum Triumphmarsch aus „Aida“ gezündetes Feuerwerk vom Opernhausdach beendeten um 22 Uhr das Spektakel.

„Musicircus“ von John Cage verzaubert Dortmund

Das Jugendorchester begeisterte auf dem Opernvorplatz das Publikum. © Anke Sundermeier / Stage Picture

Die Steeldrummer, die auf dem Friedensplatz auf Ölfässern trommelten, waren nicht zu überhören und zogen immer mehr Passanten an. Vor dem Rathaus blies ein Posaunenchor, drei Wagen des Technischen Hilfswerks fuhren vor und schalteten die Sirenen an. In der Mitte stand Sigune von Osten und gab die Einsätze, außerdem hatte jede Gruppe einen Guide, der sekundengenau Einsätze gab.

Bürsten kratzten Rhythmen auf den Asphalt

Straßenkehrwagen der Stadt rollten an. Als sie mit ihren Bürsten Rhythmen auf das Pflaster kratzten, hatten alle anderen Pause. Die Friedensplatzbühne gehörte dem Ballett der Kehrmaschinen und zehn Straßenkehrern, die mit Besen Klänge auf das Pflaster klopften. So viel Applaus haben sie für ihre Arbeit wohl nie bekommen.

„Musicircus“ von John Cage verzaubert Dortmund

Die Sängerinnen mit den bunten Schirmen stimmten „Bella Italia“ an. © Anke Sundermeier / Stage Picture

Unter einem Laubengang im Stadtgarten hatte es sich ein Pianist gemütlich gemacht. Auch er zog mit dem Instrument auf dem Rollwagen weiter auf den Opernvorplatz. Dort sang ein Chor mit bunten Schirmen von „Bella Italia“, ein Jugendorchester versuchte mit dem Klang von Alphörnern vom Opernhausdach mitzuhalten, Ballettgruppen tanzten, Posaunenchöre und ein Saxofonorchester sorgten für ein buntes (Klang-)Bild. Und dann alle: „Santa Lucia“ im Kanon mit den Sängerinnen mit den bunten Schirmen, den Saxofonen und einer Bigband – und den Besuchern.

Programm in allen Foyers

Im Opernhaus hatten Kindertanzgruppen und Zupfensembles längst alle Foyers besetzt. Nur schade, dass das Theater nirgendwo darauf aufmerksam gemacht hat, dass dies eine Aktion der Oper und das schönste Werk von John Cage ist. „Museumsnacht?“, fragte ein Passant mit Kaufhaustüte in der Hand. Nein, der „Musicircus“. Und den wünscht man jeder Stadt einmal.

„Musicircus“ von John Cage verzaubert Dortmund

Junge Musiker fanden viele Zuhörer vor dem Rathaus. © Anke Sundermeier / Stage Picture

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