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"Mythos" Nicolas Born neu entdecken

ESSEN Es bleibt in der Familie. Der Literaturpreis Ruhr 2007 geht posthum an Nicolas Born sowie seine Tochter Katharina.

von Von Bettina Jäger

, 07.11.2007
"Mythos" Nicolas Born neu entdecken

Die Literaturpreisträgerinnen Katharina Born (v.r.), Brigitte Werner und Christina Müller-Gutowski.

Die Journalistin hat die Gedichte und Briefe ihres 1979 verstorbenen Vaters neu herausgegeben und damit den Weg zur Wiederentdeckung seiner Werke freigemacht. Der Regionalverband Ruhr (RVR) würdigt aber nicht nur ihre editorische, sondern auch ihre essayistische Leistung. In ihren Nachworten zeichne sie bewegend-innig-Porträts ihres Vaters, urteilte die Jury.

Kritik an Gesellschaft

Born gilt heute als fast mythische Figur, als der (allzu) unbekannte Große. "Seine Romane sind ungeheuer wichtig", sagte Jury-Sprecher Volker W. Degener. Der gebürtige Duisburger Born, der in diesem Jahr 70 geworden wäre und eng mit Peter Handke befreundet war, schrieb "Die Fälschung" - verfilmt von Volker Schlöndorff - und "Die Erdabgewandte Seite der Geschichte". Die eigene Wahrnehmung führt seine Hauptpersonen zur Kritik an Medien und Gesellschaft, sie wenden sich gegen die Ökonomisierung unseres Lebens. In seinen Gedichten begegnet Born dem "Wahnsystem Realität" mit utopischen Gegenbildern.

Schriften des Vaters

Lange hatte seine Tochter Katharina Born, die mit Mann und Sohn in Paris lebt, gezögert, den Nachlass des Dichters zu sichten. "Mein Vater ist gestorben, als ich sechs Jahre alt war. Ich habe wenig Erinnerung an ihn." Doch auf Bitten ihrer Mutter und Schwestern wagte sie sich doch an den Schrank, dessen Inhalt stets "als das Wertvollste im Haus" galt und die Schriften des Vater enthielt. "Es war ein gute Entscheidung", blickt sie zurück. "Ein Werk und eine Person werden zu schnell falsch verstanden".

Die beiden Förderpreise gehen an Brigitte Werner aus Bochum und Christina Müller-Gotowski, die zum Thema "Asphaltgeschichten" brillierten. Brigitte Werner, eigentlich als Kindertheater-Macherin bekannt, beschreibt in "Morgenröte" die rührend-seltsame Beziehung zweier Obdachloser. "Von Wörtern und Schuhen und Straßen und Rädern" heißt die Geschichte, die Müller-Gutowski den Preis einbrachte: eine furiose Collage aus Eindrücken und Möglichkeiten. "Ich kann gar nicht geradeaus schreiben", sagt die Autorin über sich.