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Neue Ausstellung im Gasometer Oberhausen ist einsame Spitze

Matterhorn steht Kopf

Das Matterhorn steht Kopf im Gasometer Oberhausen. Die riesige schwebende Skulptur ist das Schaustück der neuen Ausstellung „Der Berg ruft“. Und die ist noch besser als die vorherige „Wunder der Natur“.

Oberhausen

, 15.03.2018
Neue Ausstellung im Gasometer Oberhausen ist einsame Spitze

Das Matterhorn hängt kopfüber im Gasometer. Die rot-gelben Farben beschreiben, wie steil der Berg an der jeweiligen Stelle ist. Foto: Oskar Neubauer.

Warum das Matterhorn Kopf steht, lässt sich am besten mit Edy Schmid erklären, dem Präsidenten des Matterhorn-Museums „Zermatlantis“ in Zermatt.

Total baff stand der Schweizer am Donnerstag unter dem Gipfel der Matterhorn-Skuptur im Gasometer Oberhausen, starrte hinauf und sagte in seinem knuffigen Dialekt: „Ein Meisterwerk. So habe ich das Matterhorn noch nie gesehen.“ Und das, obwohl der Schweizer aus Zermatt diesen Berg der Berge eigentlich jeden Tag sieht, wenn er daheim die Vorhänge aufzieht.

Ganz großes Kino im Gasometer

Die Macher der Ausstellung „Der Berg ruft“, die ab Freitag (16.3.18) zu sehen ist, können also zufrieden sein. Was haben sie im Laufe der Jahr nicht schon aufgeboten: 1999 und 2013 Werke von Christo, im Jahr 2011 den Regenwaldbaum (der nicht so ein Knüller war), den größten Mond auf Erden 2010 und zuletzt die „Wunder der Natur“ mit der Weltkugel, die unglaubliche 1,35 Millionen Besucher anlockte. Aber das schwebende Matterhorn ist wirklich – man kann es nur so platt sagen – einsame Spitze!

7,5 Tonnen wiegt die Stahlkonstruktion. Sie trägt 2033 Quadratmeter Leinwand, hat oben 43 mal 30 Meter Grundfläche und piekst dann 17 Meter in die Tiefe. Die Firma Geo – Die Luftwerker hat den majestätischen Gipfel verblüffend echt abgeformt. 17 Projektoren bringen – errechnet von der Firma Intermediate Engineering – 60 mal pro Sekunde 39 Millionen Pixel auf die bergige Leinwand.

Mehr Daten als in einem Kinosaal sind zu sehen

Das sind 19 mal mehr Daten als in einem Kinosaal. Und ganz großes Kino ist diese Schau, die 1,4 Millionen Euro gekostet hat, auch wirklich. Während der Spiegel unter dem Gipfel nur mittelprächtig funktioniert, ist es ein Hochgenuss, sich rundherum auf die Sitzsäcke zu lümmeln und die Majestät des Berges zu bewundern.

Ganz so bequem ist die Bergsteigerei nicht. Eher eine Sache von Blut, Schweiß und Tränen. Der originale Eispickel von Edward Whymper (1840-1911), den Edy Schmid aus dem Matterhorn-Museum mitgebracht hat, erinnert an die Mutter aller Tragödien. Mit insgesamt sieben Männern bestieg Whymper am 14. Juni 1865 den Berg, doch beim Abstieg trat einer fehl. Vier Männer stürzten in den Tod. Whymper musste sich gegen den Vorwurf wehren, das Seil zerschnitten zu haben.

500 Menschen starben bei dem Versuch, das Matterhorn zu erklimmen

Aber es war am Ende ausgefranst – ruckartig gerissen, zu dünn gewesen für die hohe Belastung. Bis heute hat das Matterhorn über 500 Menschen das Leben gekostet. „Es steigen viele Amateure auf, die dem Berg nicht gewachsen sind“, sagte Oskar Neubauer, Fotograf unserer Zeitung, der das Matterhorn selbst 1989 bezwungen hat.

Und falls einer von uns Salontirolern im Ruhrgebiet sich fragt, warum man überhaupt diese Gefahr auf sich nimmt, hat Everest-Bezwinger Sir Edmund Hillary schon eine Antwort gegeben: „Warum auf die Berge steigen? Weil sie da sind.“

Zusätzlich zum Modell gibt es viele Fotografien zu bestaunen

Herrliche Gipfel, sonnige Höhen: Jenseits der Kletterei hat Kurator Peter Pachnicke wieder 150 Bilder internationaler Fotografen versammelt, die in Kapitel wie „Der weite Blick“ die ganze Faszination der schroffen Natur erlebbar macht. Unter dem Stichwort „Heilige Berge“ sieht man buddhistische Pilger, die an einem Tag den Kailash in Tibet umrunden. Das sind mehr als 50 Kilometer.

Auf der ersten Etage richtet sich ein ausgestopftes Alpenmurmeltier gerade auf, während von links ein ebenfalls präparierter Steinadler anfliegt. Wie das in der Natur wohl ausgehen würde? Nebenan sieht man auf einem Foto eine Weißschwanz-Erdhummel, die durch „Wärmezittern“ in der Lage ist, noch bei Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt Nektar zu sammeln. Sich warm zittern? Das sollte sich der Besucher zum Vorbild nehmen. Denn auch im Gasometer herrscht jetzt noch hochalpine Kälte.

Gasometer Oberhausen: „Der Berg ruft“, 16.3.2018-30.12.2018, Arenastraße 11, Di-So sowie feiertags 10-18 Uhr, geschlossen montags außer in den NRW-Ferien, Eintritt 10 (ermäßigt 7) Euro, Katalog 19,95 Euro. Mehr Informationen zur Ausstellung im Gasometer Oberhausen gibt es hier.
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