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Ikonenmuseum Recklinghausen

Nikolaus, der handfeste Heilige

RECKLINGHAUSEN Die Kinder lieben ihn, weil er Geschenke bringt. Die Matrosen lieben ihn, weil er sie vor den Gefahren des Meeres beschützt. Aber am meisten lieben ihn die Russen. "Was wird es geben, wenn Gott stirbt?" fragt ein Bauer einen anderen. Und der antwortet: "Aber wir haben doch den Nikolaj!"

Nikolaus, der handfeste Heilige

<p>Diese Nikolaus-Ikone entstand im 16. Jahrhundert in Russland.

Der russische Witz beweist, wie tief der Heilige, dessen Todestag wir alljährlich am 6. Dezember feiern, dort in der Volksfrömmigkeit verankert ist. Dasselbe beweist aber auch eine interessante Ausstellung, die das Ikonenmuseum Recklinghausen dem einstigen Bischof von Myra widmet. Das inzwischen modern umgebaute Haus zeigt 114 Nikolaus-Ikonen aus der eigenen Sammlung.

Pfiffiger Titel Die Kustodin Eva Haustein-Bartsch aus Dortmund hat der Schau den pfiffigen Titel "Ein Heiliger für alle Fälle" gegeben. "Nikolaus war kein Theoretiker, sondern er hat handfest geholfen", sagt sie. "Deswegen ist er bis heute der beliebteste Heilige."

Aber wie ist sie bloß auf dieses Thema gekommen? Vor drei Jahren hatte ein Sammler aus Bochum dem Museum 2070 (!) Ikonen vererbt. "Bei der Inventarisierung ist mir aufgefallen, wie viele Nikolaus-Ikonen dabei waren", erzählt Eva Haustein-Bartsch.Ab dem 15. Jahrhundert So kann das Museum nun Exemplare aus der Zeit vom 15. bis zum 19. Jahrhundert präsentieren - von den wenige Zentimeter großen Metall-Ikonen aus Messing mit buntem Email für Reisende bis zur volkstümlichen, kunterbunten Hinterglasmalerei aus Siebenbürgen in Rumänien. Die besonders kostbaren Ikonen haben einen Oklad - einen Beschlag aus Silber und Gold -, der nur das Gesicht des Heiligen freilässt.

Dabei sind sich die Maler überraschend einig, wie Nikolaus aussah: Bart, hohe Stirn als Symbol der Weisheit, eine Stola mit Kreuzen darauf. Wenn sich nur die Historiker ähnlich sicher wären, wer dieser Nikolaus eigentlich war! Da gab es den Bischof von Myra in Lykien (heute Türkei), um 270 geboren und 334 gestorben. Aber die Erinnerung an ihn vermischte sich wohl mit einem Abt gleichen Namens, gestorben 546 ebenfalls in Lykien. Sicher ist nur, dass die Italiener 1087 die Gebeine des Heiligen in Myra raubten und nach Bari brachten, wo sie bis heute verehrt werden.Viele Wunder Die Zahl seiner Wunder ist im Laufe der Zeit jedenfalls stark gewachsen. Das Volksbuch "Legenda Aurea" machte sie im Mittelalter bekannt. Da gab es die armen Mädchen, die sich hätten prostituieren müssen, hätte Nikolaus ihnen nicht nachts Goldkugeln als Mitgift ins Zimmer geworfen. Seefahrer hat er in rauen Mengen gerettet (deshalb gibt es an der Ostsee so viele Nikolaikirchen), aber auch unschuldig Verurteilte.

 

Wie ein Comic sehen jene Ikonen aus, die rund um das Porträt des Heiligen die Geschichten aus seinem Leben erzählen. Das oben abgebildete Meisterwerk "Heiliger Nikolaus von Zarajsk" entstand Ende des 15. Jahrhunderts in Russland.

Nur der Coca-Cola-Company war der Nikolaus nicht heilig: Sie zog dem armen Kerl die knallrote Kleidung an - übrigens geklaut beim holländischen "Sinterklaas" - und nutzt ihn bis heute als "Weihnachtsmann" für ihre Werbung. Darüber würde wohl der echte Nikolaus, wer immer er war, die hohe Stirn runzeln.

Ikonenmuseum Recklinghausen: "Nikolaus", Kirchplatz 2 a, bis 23.2.2014, Di-So 11-18 Uhr, feiertags 11-18 Uhr, Heiligabend und Silvester 11-14 Uhr. Eintritt 6 (ermäßigt 3) Euro.

 

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