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Gotteshäuser des Architekten Otto Bartning

Notkirchen als Welterbe?

DORTMUND Die evangelischen "Notkirchen", von Otto Bartning nach dem Zweiten Weltkrieg überall in Deutschland erbaut, könnten Weltkulturerbe werden. Ob es allerdings die Gotteshäuser in Dortmund, Bochum, Essen und Münster auf die Vorschlagsliste schaffen, ist noch unklar.

Notkirchen als Welterbe?

Ein sympathisches Gotteshaus: Die Dortmunder Paul-Gerhardt-Kirche gehört zu den deutschen Notkirchen, die nach den Plänen von Otto Bartning errichtet wurden. Eine Initiative will nun das Welterbe-Siegel der Unesco beantragen.

Um das Unesco-Siegel kämpfen wollen die Otto-Bartning-Arbeitsgemeinschaft Kirchenbau in Berlin, das Bartning-Archiv der TU Darmstadt und das Zentrum für Qualitätsentwicklung im Gottesdienst der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD). „Bis Juni 2015 soll das Konzept zum Welterbe Notkirchen vorliegen“, erläutert Immo Wittig, Vorstandmitglied der Welterbe-Initiative. 2017 könnte der Antrag fertig sein. „Fachleute haben uns gewarnt, sämtliche Notkirchen unter einen Hut bringen zu wollen. Sinnvoll ist eine repräsentative Auswahl solcher Kirchen, die möglichst authentisch erhalten sind.“ Das muss in jedem Einzelfall geprüft werden.

Die Notkirchen haben eine bewegende Geschichte. Nach 1945 lagen auch die Gotteshäuser in Schutt und Asche. Schon 1947 beschloss daher die EKD, Ersatz zu schaffen. Architekt Otto Bartning (1883-1959) sollte Modellkirchen entwerfen, die sich leicht an die Situation vor Ort anpassen ließen. Baumaterial: Holz und Trümmersteine. Ein „wunderbarer Auftrag“ für den einstigen Bauhaus-Direktor, der sich später an seine erste Reaktion erinnerte: „Ich verstummte, ging auf die Straße und wanderte stundenlang durch die Trümmerfelder, wie ein Besessener, wie ein Verurteilter.“ Bis 1953 baute er 43 Notkirchen des Typs A/B, das heißt mit oder ohne Altarraum.

In Dortmund hatte die evangelische Paul-Gerhardt-Gemeinde kein eigenes Gebäude. Den Christen gelang es aber, in das Notkirchenprogramm aufgenommen zu werden. 1950 konnte das Gotteshaus eingeweiht werden, seit 2011 ist es Denkmal. In Bochum-Hamme war die Evangelische Kirche – heute Gethsemane-Kirche – total zerstört. Das ebenfalls zerbombte Gemeindehaus an der Amtssstraße hatte aber noch ein solides Fundament. Wegen der Größe dieses Fundamentes ist das Bochumer Gotteshaus kürzer als andere Notkirchen. Auf manchen der verwendeten Trümmersteine erkennt man bis heute die Brandspuren der Bomben.

„Erste Voraussetzung für die Aufnahme in den Initiativantrag ist, dass die Gemeinde das auch will“, betont Immo Wittig. Deshalb ging im Juli ein Brief an alle Notkirchen-Gemeinden. Zumindest in Dortmund trifft der Plan auf große Sympathie. „Wir mögen unsere Kirche alle“, sagt Pfarrerin Anne-Kathrin Koppetsch, die das Gebäude außerdem als historisches Mahnmal sieht. Das Presbyterium habe sich schon positiv geäußert, tage aber erst nach den Ferien wieder. In Bochum hatten die Gemeindeglieder bereits Unterschriften für den Welterbe-Antrag gesammelt.  

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