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Serie "Pausengespräch"

Opernsängerin Christiane Kohl schwört auf Tee

DORTMUND Was machen eigentlich die Künstler und Mitarbeiter der Theater und Konzerthäuser in der Pause hinter den Kulissen? In unserer Serie „Pausengespräch“ haben wir Künstler und Techniker besucht und nachgeschaut, wie sie diese 20 Minuten verbringen. In der ersten Folge haben wir Sopranistin Christiane Kohl getroffen.

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Opernsängerin Christiane Kohl trinkt im Kostüm in der Pause in ihrer Garderobe Tee und schaut noch mal in die Noten.

Christiane Kohl setzt in der Pause den Strahlenkranz der Elisabeth ab.

Christiane Kohl setzt in der Pause den Strahlenkranz der Elisabeth ab. Im »Tannhäuser« trägt sie ihn auf der Bühne.

Erst mal den Strahlenkranz absetzen, einen Tee eingießen und hinsetzen. Aus der Elisabeth in Wagners Oper „Tannhäuser“ wird für 20 Minuten Opernsängerin Christiane Kohl. Und die Sopranistin aus dem Ensemble des Theater Dortmund braucht zwischen dem zweiten und dritten Akt auch die Pause, um Kraft zu schöpfen.

„Das ist der Punkt zum Innehalten, um runterzukommen und Kraft zu schöpfen“, sagt die Sängerin. Zwölf Quadratmeter groß ist die Garderobe, die die Solisten der großen Partien für sich allein haben. Christiane Kohl schaut dann noch mal in die Noten, singt kritische Stellen an. In allen Solisten-Garderoben steht ein Keyboard oder Klavier. Ein großer Becher Ingwer-Tee ist das Allheilmittel in der Pause. „Der wärmt und regt die Durchblutung der Schleimhäute an. Er ist mein Mantra“, sagt die Sopranistin. Eine 1,5 Liter-Thermoskanne Tee bringt sie zu jeder Vorstellung mit.

„Wenn die Partie anstrengend ist, muss man auch was essen“, weiß die Sängerin. Eine Banane oder ein spezieller Müsliriegel von Seitenbacher („der schleimt nicht“) geben schnell Kraft.„Und ich schwöre auf Traubenzucker für den schnellen Kick“, sagt die Berlinerin, die seit zwei Jahren Ensemblemitglied in Dortmund ist und ab der nächsten Saison als fester Gast dort singt. Gerne erinnert sich Christiane Kohl an die Zeit, als sie in Zürich die erste Dame in der „Zauberflöte“ gesungen hat: „Wir drei Damen hatten eine gemeinsame Garderobe und haben uns in der Pause immer einen Riesenteller Pommes geholt.  Das war ein Ritual, in unserer Garderobe roch es immer nach Frittierfett. Wir hatten ja viel Zeit zwischen unseren Auftritten, manchmal haben wir auch eine DVD geguckt. Wir hatten immer viel Spaß.“

Im Sommer singt Christiane Kohl immer bei den Bayreuther Festspielen. In diesem Jahr ist sie festes Cover für die Senta im „Fliegendem Holländer“, springt ein, wenn die erste Solistin ausfällt. Außerdem gibt sie in der Kinderoper in Bayreuth ihr Debüt als Elsa im „Lohengrin“, singt wieder die dritte Norn und im „Ring“ eine Walküre.

„In Bayreuth ist es schwieriger, in der Pause ein ruhiges Plätzchen zu finden. Für einen alten Hasen wie mich ist es inzwischen leichter: Ich kenne die Schlupfwinkel im Festspielhaus“, erzählt die Sängerin. Auch schon unter den Dachpfannen des alten Gebäudes hat sie gesungen und als Waldvogel im „Ring“ aus einer Luke gezwitschert.

Ehrfurcht und Respekt vor dem Traditionshaus hat Christiane Kohl, aber sie bereitet sich in Dortmund und den anderen Häusern, in denen sie singt, genauso gewissenhaft vor. „Das Publikum hat ein Recht darauf, dass wir überall alles geben“, sagt sie und „Wenn man mit sich selbst im Reinen ist, muss man vor nichts Angst haben. Singen ist Handwerk, das ich beherrschen muss.“

Aber das Lampenfieber bleibt. Die Solistengarderoben liegen im Dortmunder Opernhaus an einem langen Gang, der zur Bühne führt. Die Damen haben den kürzeren Weg als die männlichen Solisten. – Wegen der hohen Schuhe und Kleider. „Ich meide den Gang. Da ist unheimlich viel los. Der Inspizient ruft alle ein; ich gehe meist auf den allerletzten Drücker los“, sagt die Sängerin.

Vor einem Jahr waren ihre Pausen noch kurzweiliger: da wartete Baby Maja, jetzt 15 Monate jung, dass Mama von der Bühne kommt und stillt. Auch in Bayreuth war Maja mit. „In der Pause stand draußen schon meine Mutter mit dem Baby. Ich hab es dann in voller Montur in der Teeküche für das Regieteam gestillt“, erzählt die Sängerin.

Mit Ehemann und zwei Großelternpaaren hat Christiane Kohl das Leben mit Kind im Griff. „Man gewöhnt sich sogar an das frühe Aufstehen“, sagt sie. Nur in die Kita will sie Maja nicht bringen, sondern erst mit drei Jahren in den Kindergarten, weil ihr die Ansteckungsgefahr bei Erkältungen zu groß ist. Am 11. Mai singt Christiane Kohl noch einmal die Elisabeth im Dortmunder „Tannhäuser“, dann fährt sie nach Bayreuth. Und in der nächsten Saison gibt sie dann in Dortmund ihr Debüt als Marschallin im „Rosenkavalier“. Die Kanne Ingwertee immer im Handgepäck.

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Opernsängerin Christiane Kohl trinkt im Kostüm in der Pause in ihrer Garderobe Tee und schaut noch mal in die Noten.

Christiane Kohl setzt in der Pause den Strahlenkranz der Elisabeth ab.

Christiane Kohl setzt in der Pause den Strahlenkranz der Elisabeth ab. Im »Tannhäuser« trägt sie ihn auf der Bühne.

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