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Orchester stahl Solistin die Schau

ESSEN Die Achte oder doch die Neunte? Zum Glück spielten die großartigen Musiker von "La chambre Philharmonique" nicht so altertümlich, wie die Essener Philharmonie die Schubert-Sinfonien zählte.

Orchester stahl Solistin die Schau

Solistin Viktoria Mullova erhielt großen Beifall.

 

Dort erhielt zwar die Solistin (Foto) den größten Beifall, aber das eigentliche Ereignis war Schuberts große C-Dur Sinfonie, nun schon seit längerer Zeit "offiziell" seine achte.

Harmonische Zusammenhänge

Das erst 2004 gegründete Orchester erstaunte dabei genau so wie das Konzept seines Dirigenten und Mitgründers Emmanuel Krivine. Der suchte überall die Bewegung, marschierte voller Tatendrang mit jeder Linie in Richtung Ziel. Schnörkellos, energisch und ohne irgendwo Zeit zu verschwenden.

Die zügigen Tempi brachten sehr deutliche harmonische Zusammenhänge und erzeugten ungewohnte rhythmische Dialoge. Das gilt für Akzente der exzellenten Bläser, die sich plötzlich aufeinander beziehen, aber auch für kräftig ausgelebte tänzerische Passagen im dritten Beethoven-Satz.

Solistin kam nicht über Routine hinaus

Krivine hat sich auch um historische Spieltechniken gekümmert. Etwa um verklingende Töne, die nicht statisch gleich laut stehen bleiben dürfen. Stattdessen entsteht bei ihm ein stets lebendiges Pulsieren.

Wenn er irgendwo zu viel entschlackte, dann lag das eher daran, dass Mullova wiederholte Passagen genau mit der gleichen Spannung oder besser Nicht-Spannung spielte. Sie gilt zwar als eine der Star-Geigerinnen mit großem Interesse für historische Aufführungspraxis. Allerdings fand sich an diesem Abend wenig davon in Phrasierung, Ton und Rhetorik.

Obwohl sie Beethovens Violinkonzert angeblich oft von Ballast befreit, verstand sie es fast als Virtuosenstück. An vielen Stellen, wo die Solovioline eigentlich Orchesterinstrumente begleitet, drängelte sie sich vor, und blieb im Vordergrund. Die Intonation war gelegentlich unsicher und über Routine kam sie nie hinaus.

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