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"Sommernachtstraum" in der Philharmonie

Orpheus-Wettstreit in Essen

ESSEN Ein Sommernachtstraum ist eigentlich etwas Leichtes, Heiteres. In der Philharmonie Essen war er am Samstagabend auch schicksalsschwer und nachdenklich. - Ein Orpheus-Wettstreit von Musik, Theater und Tanz.

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Nikolay Borchev war ein großartiger Orfeo

Johanna Wokalek las die Uraufführung von Elfriede Jelineks Monolog "Schatten".

Einen langen, kontrastreichen, fast sechsstündigen, sagenhaften Abend hat Intendant Johannes Bultmann rund um den Orpheus-Mythos zusammengestellt. Es war ein Abend in drei Akten, und der begann traumschön mit Thomas Hengelbrocks halbszenischer Inszenierung von Monteverdis "L'Orfeo".

Seinen Balthasar-Neumann-Chor ließ Hengelbrock munter mitspielen in der Oper aus dem Jahr 1607, die als früheste Oper der Musikgeschichte gilt. Das Balthasar-Neumann-Orchester musizierte mit 20 Musikern ebenso launig auf alten Instrumenten.

Sprachrhythmus

Eine mattblau beleuchtete Videowand war Kulisse genug für die Geschichte des Sängers Orpheus, der die Hölle besiegt, aber nicht seine Neugier. Großartige Solisten hatte die Aufführung, mit Katja Stuber eine wunderbare Eurydice, die großen Glanz in der Stimme mitbrachte, und einen fantastischen Orfeo. Nikolay Borchev Nikolay Borchev hätte mit seinem Lamento auch Steine erweichen können. Und genauso überragend zeigte er die Entschlossenheit des Mannes, um die Geliebte zu kämpfen.

Jelineks "Schatten"

Elfriede Jelineks Uraufführung im zweiten Teil hatte es schwer, sich an diesem ersten Akt zu messen. "Schatten" heißt der Monolog, den die Philharmonie bei der Literaturnobelpreisträgerin in Auftrag gegeben hat. Kommt bei Monteverdi fast nur Orpheus zu Wort, erzählt die 65-jährige Jelinek die Sage aus Eurydices Sicht. Und beginnt mit dem Schlangenbiss.

Auf der Videowand wiegt sich sanft Gras im Wind, davor hockt Johanne Wokalek auf einem Kleiderberg als Eurydice (Regie: Peter Schmidt, Film: Jan Kerhardt). Die hochschwangere Schauspielerin liest den knapp einstündigen Text ab, spürt - zum Teil rasch rezitiert - Jelineks Sprachrhythmus nach und gibt dem Text Dynamik.Popstar und Mädchenschwarm Der Mann von Jelineks Eurydice ist Sänger, ein Popstar und Mädchenschwarm. Eurydice tröstet sich vor Einsamkeit mit Kleidern und Kaufrausch und möchte nach dem Biss am liebsten ein Schatten, "ein Nichts" bleiben.

Jelinek zeigt, dass das, was viele für ein Drama halten, nämlich, dass Orpheus sich umgedreht hat und seine Liebe nicht retten konnte, aus Eurydices Sicht gar nicht so verkehrt war. Ein interessanter Ansatz, der konsequent in unserer Zeit übertragen ist: Statt sich umzudrehen und Eurydice anzuschauen, macht der Sänger ein Foto mit dem Handy von der Schattenfrau.Tanz im Park Das Aalto Ballett beendete die Nacht mit einem getanzten Beziehungsgeflecht, Patrick Delcroix' Choreografie "Cherché, trouvé, perdu", einer Geschichte vom Suchen, Finden und Verlieren des Glücks in kurzen, flüchtigen Begegnungen. Auf diese Inszenierung im Park neben der Philharmonie musste das Publikum in einer fast einstündigen Pause jedoch länger warten, als das Stück dauerte. Das hätte man straffen können.

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