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Haus Opherdicke

Otmar Alt fasziniert mit fabelhaften Zauberwelten

Holzwickede Das Haus Opherdicke zeigt ab dem 22. April eine große Retrospektive mit mehr als 100 Werken von Otmar Alt. Schon wenn man den Hof vor dem Wasserschloss Opherdicke in Holzwickede betritt, muss man schmunzeln.

Otmar Alt fasziniert mit fabelhaften Zauberwelten

„Emma – großes Erwarten“ hat Otmar Alt 2008 in Acryl auf Leinwand gemalt.Foto: Kersten

Dort begrüßt ein bunter Tukur die Besucher – die Plastik ist eine von mehr als 100 Arbeiten der „Fabelhaften Zauberwelten“ von Otmar Alt, die ab Sonntag viel Farbe und Humor in die Räume und den benachbarten Skulpturenpark bringen. Zur Eröffnung fährt ein von Otmar Alt gestalteter Imbisswagen vor; der Künstler selbst ist auch anwesend.

Die Kunst kann die Welt positiv zeigen

Und es lohnt sich, ihm zuzuhören. Gewitzt, wie seine Leinwand-Wesen, berlinerte der 77-Jährige am Freitag bei der Pressekonferenz und erzählte, was ihm an seiner Arbeit wichtig ist: Humor.

„Ich habe so viel Schlechtes erlebt. Meine Lösung ist die Kunst. Ich will die Welt positiv zeigen“, sagt Alt und erzählt von der strengen Erziehung in der Kindheit und von der kleinen Garage, in der er malt.

Katzen und Hunde in friedlicher Eintracht

Thematisch, mit zeitlicher Chronologie innerhalb der zehn Räume, breitet sich die Zauberwelt aus. Einige der kleinen Räume sind so voll mit Farbe und großen Formaten, dass man kaum weiß, wo man zuerst hinschauen soll. Aber es fällt leicht, mit den Wesen auf den Bildern in einen intimeren Dialog zu treten, weil fast alle Figuren die Betrachter direkt anschauen.

Otmar Alt fasziniert mit fabelhaften Zauberwelten

Otmar Alt neben seinem Tukur vor dem Schloss Opherdicke in Holzwickede. Foto: Gaß

Natürlich gibt es einen Katzenraum – „Obwohl ich Katzen nicht mag. Ich mag Hunde“, sagt der Künstler, „aber bei mir zu Hause leben beide friedlich zusammen“. Eine bayerische Bierkatze und eine Hausmütterchen-Katze mit Vögeln blinzeln von Leinwänden. Vögel, Elefanten, ein Urpferd und Clowns – es gibt kaum ein phantastisches Wesen, das Alt nicht gemalt hat.

Porträt von Andy Warhol

Spannend ist der Raum mit Porträts, darunter eins von Andy Warhol, ungewöhnlich die Bilderserie auf weißem Untergrund. Und experimentell sind die Arbeiten, in denen Alt sein Puzzle aus arabeskenhaften Formen dreidimensional als Collage auf die Leinwände gebracht hat.

Aber Alts Malerei ist keine dekorative Kunst. Wenn man auf alle Details achtet und tief genug in die Bild- und Farbwelten eintaucht, entdeckt man politische und gesellschaftliche Reflexionen.

Beginn als Künstler des Informel

Auch ganz frühe Blätter – das älteste ist von 1963, als Otmar Alt noch Informel-Künstler war – sind in einer Vitrine zu sehen. Kleine Bronzen stehen in den Nischen, auch eine Auswahl von Alts Schmuck-Kollektion gehört zu der Schau. Den wunderbaren Glas-Skulpturen, die Alt für Rosenthal gefertigt hat, mag man wünschen, dass sich die Besucher in den kleinen Räumen vorsichtig bewegen.

Der Kreis Unna hat zuletzt 2013 in Schloss Cappenberg eine große Otmar-Alt-Ausstellung gezeigt. Damals kamen 17.000 Besucher in drei Monaten. Die Schau in Opherdicke ist anders.

Sie zeigt mehr Facetten des großen Werks des Künstlers, das eine Stiftung in Hamm betreut, auch viele jüngere Arbeiten aus diesem Jahr. Aber sie ist genauso bunt und fröhlich. Und weil sie so fantasievoll ist, perfekt, um Kinder an Kunst heranzuführen.

Haus Opherdicke: „Otmar Alt – Fabelhafte Zauberwelten“, 22.4. (Eröffnung 11.30 Uhr) bis 2.9., Dorfstraße 29, Holzwickede, Di-So 10.30-17.30 Uhr, Eintritt: 4 Euro, Familien 8 Euro, Katalog: 20 Euro.

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