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Buchtipp der Redaktion

Patrick Schroer über Abgründe, die faszinieren

DORTMUND Passend zur Frankfurter Buchmesse - auf der auch in diesem Jahr wieder unzählige Lesebegeisterte erwartet werden - haben sich unsere Redakteure ihre Lieblingsbücher vorgenommen, um sie Ihnen vorzustellen. Volontär Patrick Schroer empfiehlt Ihnen "Tage der Toten" - ein Meisterwerk, wie er sagt.

Patrick Schroer über Abgründe, die faszinieren

Die Buchtipps aus unserer Redaktion.

Man könnte vermuten Don Winslow habe für „Tage der Toten“ einen Ghostwriter engagiert. Das kann doch nicht der Autor sein, der die grauenhafte Vorlage für den noch grauenhafteren Film „Savages“ geschrieben hat. Doch seine „coolen Typen“ mit Hang zu Selbstüberschätzung verraten ihn. Das schmälert Don Winslows Leistung diesmal aber keineswegs: „Tage der Toten“ ist schlicht ein Meisterwerk. Mit beeindruckender Schärfe analysiert Winslow den mexikanischen Drogenkrieg. Es ist ein Politthriller, der den schmalen Grat zwischen Dokumentation und Prosa meistert.

Der Prolog weist gleich die Richtung: „Neunzehn Tote. In den Jahren seiner Fehde mit Adán Barrera hat er so manches gesehen. Aber nicht neunzehn auf einmal. Frauen, Kinder, Säuglinge.“ Brutalität ist ein Stilmittel, ohne das dieses Thema nicht auskommt. Hauptcharakter, der weitgehend isolierte DEA-Fahnder Art Keller, erklärt dem windmühlen-ähnlichen Drogenimperium den Krieg. Seine eigene Regierung entpuppt sich bei dem Vorgehen als wenig hilfreich. Besonders lesenswert sind die Nebenstränge der Handlung, bei denen vor allem die überragende Charakterzeichnung hervorsticht. Als Beispiel sei die Prostituierte Nora mit platonischer Beziehung zu einem Bischof genannt. Klischees trifft man in diesem Epos selten an.

„Ich habe seit einem Jahr kein Buch mehr gelesen - außer einigen Thrillern, aber die zählen ja nicht“. Dieser Satz einer Kollegin zeigt, wie schlecht es um das Image des Genres steht. „Tage der Toten“ hat daran definitiv keinen Anteil.

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