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Ruhrfestspiele: „King Lear“

Peymann und Schwab zeigen die Tragödie der Demenz

Recklinghausen „King Lear“ ist die Tragödie eines alten Mannes. In Recklinghausen spielt ihn Martin Schwab (80). Regisseur Claus Peymann ist ebenso alt. Also ein Abend der Legenden? Nein, eher ein weiser Blick auf die Demenz.

Peymann und Schwab zeigen die Tragödie der Demenz

Traurig: Martin Schwab spielt Shakespeares „König Lear“ im letzten Bühnenbild von Karl-Ernst Herrmann. Foto: Aurin

Was für ein Applaus: Mit Ovationen im Stehen dankte das Publikum der Ruhrfestspiele Recklinghausen am Dienstagabend dem Ensemble des Schauspielhauses Stuttgart, wo die Inszenierung im Februar Premiere gefeiert hatte.

Das letzte Bühnenbild von Karl-Ernst Herrmann

Doch im Triumph steckte ein Stück Trauer. Denn zu sehen war das letzte Bühnenbild von Karl-Ernst Herrmann, der am Sonntag mit 81 Jahren gestorben ist. Am Schauspielhaus Bochum hatte er einst so ikonische Szenenbilder wie das für „Nathan der Weise“ (1981) geschaffen.

Wie damals spielt der Kreis auch bei Shakespeares „King Lear“ eine Rolle. Hinter einem Tor aus Licht rahmt das Rund eine karge Spielfläche. Darüber baumelt nichts als ein Kleiderhaken. An den hängt der König seine Krone, nachdem er sein Reich an die Töchter Goneril und Regan verschenkt hat.

Die dritte Tochter Cordelia (Lea Ruckpaul spielt auch den Narren) geht leer aus, weil sie ihm nicht genug schmeichelte. Ziemlich dumm von Lear, das werden schon die ersten Zuschauer 1606 geahnt haben.

Die Schatten großer Gesten

Heute winden sich Manja Kuhl und Caroline Junghanns als böse Töchter wie Schlangen über die Bühne, die Nebenhandlung um den brutal geblendeten Gloster (Elmar Roloff) und seinen intriganten Sohn (toll: Jannik Mühlenweg) rührt an.

Doch Peymann zeigt vor allem die Tragödie der Demenz. Es ist, als ob Martin Schwab in seiner Kleidung immer mehr schrumpft, bis es nur noch ein weißer Anstaltskittel ist. Wie er mit den Schatten großer Gesten lächerliche Rachepläne schmiedet oder sich wie ein Kind einen Reim auf die Wirklichkeit zu machen versucht – das ist erbarmungswürdig, mitleiderregend und mit einem beeindruckenden Rest an Würde gespielt.

Der Regisseur ist ein geübter Magier

Verblüffend, wie Peymann mit seiner Dramaturgin und Lebensgefährtin Jutta Ferbers und seinem (unglaublich fitten) Hauptdarsteller dem Stück eine neue Lesart verleiht in unserer Gesellschaft, die vor der Demenz furchtsam zittert.

Der Regisseur ist ein geübter Magier, aber der fast vierstündige Abend hat auch Längen. Peymann ist halt ein Klassiker, Shakespeare sowieso, und Klassiker müssen lang sein. Oder nicht?

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